08.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Mann vor Wahlcomputer
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Schlecht geschulte Wahlhelfer, Software-Probleme, Stromausfälle - die neuen US-Wahlcomputer funktionieren nicht, wie sie sollen. Trotz modernster Technik mussten viele Stimmen auf Papier abgegeben werden. Thema: US-Kongresswahl Demokraten erobern Repräsentantenhaus Demokraten dringen auf neuen Irak-Kurs Schwarzenegger als Gouverneur wiedergewählt Voigt erwartet Kurswechsel in US-Irak-Politik USA haben ihren ersten Muslim im US-Kongress Knapper Ausgang bei US-Kongresswahl FBI ermittelt wegen Behinderung der US-Wahl Wähler vom US-Wahlkampf genervt
Die neu eingeführten Wahlmaschinen mit Touchscreen haben bei den US-Kongresswahlen für Chaos gesorgt. Das berichtete die Wahlbeobachtergruppe «Election Protection» auf ihrer Webseite.
Demnach sollten landesweit Touchscreen-Wahlcomputer in rund einem Drittel der Wahllokale zum Einsatz kommen. Dazu kam es jedoch nicht: Schon zwei Stunden nach Öffnung der Wahllokale wurden die ersten Probleme gemeldet. Vielen Wahlhelfern sei es gar nicht erst gelungen die Wahlcomputer zu starten. In Wahllokalen in Denver im Bundesstaat Colorado fiel der Website zufolge zeitweise der Strom aus. Aufgrund von Softwareproblemen in Florida mussten die Wähler doch wieder Stimmzettel aus Papier benutzen, weil eine Wahlmaschine streikte, wie es weiter hieß.
Schlecht geschulte WahlhelferIm US-Bundesstaat Indiana soll es in mehr als der Hälfte der Wahllokale Probleme gegeben haben: Wahlhelfer seien nicht ausreichend an den neuen Maschinen geschult worden, heißt es bei «Election Protection».
Für zusätzliches Chaos dürfte die Tatsache gesorgt haben, dass in jedem der 435 Stimmbezirke eigenständig entschieden wurde, welche Wahlmaschinen mit welcher Software angeschafft werden sollen.
Gefahr der ManipulationVor der Wahl hatten Kritiker bereits gewarnt, die neuen Wahlcomputer könnten durch Hacker manipuliert werden. Dass die Technik trotzdem eingesetzt wird, begründeten die Wahlbezirke damit, dass das Auszählen vom Papier-Stimmzetteln zu lange dauern würde. Bislang wurde keine Manipulationen bekannt.
Die Wahlcomputer mit Touchscreen waren noch nie bei einer Wahl getestet worden. Sie sollten die Stimmabgabe schneller, einfacher und zuverlässiger machen. Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 hatten veraltete Wahlmaschinen in Florida für Chaos gesorgt und die Stimmabgabe zahlreicher Bürger verhindert.
Blogger berichtenUS-Blogger kommentierten das Wahlchaos genau. Auf der Plattform Youtube tauchten Videos auf, die die Vorgänge belegen sollen.
Die in Deutschland eingesetzten Wahlcomputer sind nach Angaben der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sicher. Dem Chaos Computer Club war es im Oktober gelungen einen niederländischen Wahlcomputer vor laufender Kamera zu manipulieren. (nz)