02.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Verifiziertes Wissen aus der Bibliothek
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Suchmaschinen geben schnell viele verschiedene Auskünfte auf eine Suchanfrage. Wer allerdings handfeste Informationen sucht, ist in einer Bibliothek besser beraten - wie ein Beispiel beweist.
Das Internet liefert über Suchmaschinen schnell eine große Menge von Suchresultaten unterschiedlichster Herkunft. Nicht immer kommen die Informationen aus verlässlichen Quellen, nicht weniges resultiert auch aus persönlichem Interesse. Weil aber viele Menschen davon ausgehen, dass Google-Suchergebnisse ihnen die Wahrheit sagen, meldet sich jetzt die Washingtoner Library of Congress. Die Bibliothek weist darauf hin, dass genaue und vor allem zutreffende Informationen mit Hintergründen nach wie vor über Bibliotheken bezogen werden können und sollten.
Den Hinweis gibt sie zu Recht: Wer beispielsweise Martin Luther King als Suchbegriff bei Google oder AOL eingibt, erhielt dort zeitweise als erstes Resultat eine Site, auf der weiße Rassisten behaupten, eine «wahre historische Beschreibung» des Bürgerrechtlers zu liefern. Bei Microsofts Windows Live Search war die Seite der zweite Suchtreffer.
Hinzu kommen die bezahlten und die verwandten Links neben und oberhalb der Suchergebnis-Liste, die nicht unbedingt zu bedeutsamen Informationen zur Suchanfrage führen. Da aber viele Nutzer nur die erste Seite der Suchergebnisse ansehen, ist wahrscheinlich, dass sie einen etwas subjektiven Eindruck von dem wichtigen Vertreter in Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen bekommen.
Kompetentes PersonalBibliothekare hingegen verhelfen den Auskunft Suchenden zu verifizierten Informationen und können auch Fragen darüber hinaus beantworten, sagt die Bibliothek über die Bücher-Sachverständigen. «Es gibt einfach Grenzen der Suchmaschinen», erläutert Marilyn Parr von der Library of Congress auf der US-Newssite «News.com». «Wenn man 'Thomas Jefferson' in eine Suchmaschine eingibt, erhält man Tausende von Suchergebnissen. Wie soll man denn die zuverlässigen Informationen von denen unterscheiden, die ausschließlich persönlichen Interessen dienen?»
Auch Chris Sherman von der Blogsite «SearchEngineWatch» sieht ein Problem in dem Informationsanalphabetismus: «Die Menschen erhalten online Informationen und stellen sie nicht in Frage», so Sherman. «Bibliothekare hingegen sind ausgebildet, die Qualität von Informationen zu bewehrten.»
Die Branche reagierte: AOL-Sprecher Andrew Weinstein hatte sich per Email erschrocken über die rassistische Website geäußert und die Google-Betreiber benachrichtigt, da diese AOL-Ergebnisse liefern. Das Google-Ranking kommt wiederum über die Häufigkeit der Klicks und den Grad der Verlinkung zu Stande.
Flut von InformationenZwar werden die Suchmaschinen ständig verfeinert, unter anderem durch die Möglichkeit, nach Quellen und Datum zu suchen. Auch suchen viele Nutzer inzwischen mit mehreren Suchworten, so dass die Ergebnisse bereits spezifizierter ausfallen. Aber, so ein Bibliothekar der Berkeley Universität in Kalifornien, solange die Inhalte nicht kategorisiert würden, müsse man darauf achten, dass etwa «.edu» oder «.org» am Ende eines Links stehen, weil das meistens ein Zeichen für differenziertere Beiträge ist. Die Endungen stehen für Webseiten von Universitäten oder Organisationen.
Sicher ist: Der Umgang der Menschen mit Bibliotheken hat sich durch den Gebrauch von Suchmaschinen geändert. Anfragen in Bibliotheken, etwa nach einem Autor und weiteren Informationen wie dessen Geburtsort sind drastisch zurückgegangen, beklagen Bibliotheken - die Antwort findet sich mitunter binnen Sekundenbruchteilen bei Google. (nz)