netzeitung.deSchüler protestieren gegen Plagiat-Datenbank

 Herausgeber: netzeitung.de

Ein US-Service überprüft die Arbeiten von Schülern und Studenten auf Übereinstimmungen mit anderen Arbeiten. Viele von ihnen halten das für Diebstahl geistigen Eigentums.

Amerikanische Schüler wehren sich dagegen, dass ihre Klassenarbeiten nicht nur von den Lehrern gelesen werden, sondern auch von einer kalifornischen Firma, die darauf spezialisiert ist, Abschreiber aufzuspüren. Die Schule will auf die Unterstützung von außen zurückgreifen, weil immer mehr Schüler Arbeiten aus dem Netz kopieren.

Der Service nennt sich Turnitin und vergleicht die Arbeiten der Schüler mit den über 22 Millionen Arbeiten, die bereits geschrieben wurden, zum Teil im Netz kursieren und die das Unternehmen auf einer Datenbank gespeichert hat. Der Schulvorstand kündigte den Einsatz des Services für die kommende Woche an.

Kontrolle auf Verdacht
Aber die Schüler der McLean Highschool wehren sich. Die Mitglieder des frischgegründeten Komitee für Schülerrechte sagen, die würden nicht schummeln und das auch nicht unterstützen wollen, sondern sie möchten nicht, dass ihre Arbeiten automatisch zu der Riesendatenbank von Turnitin zugefügt werden und nennen das eine Verletzung ihres geistigen Eigentums. «Es ist genauso als würden plötzlich alle Autos oder Schränke durchsucht werden oder jeder Schüler auf Drogen getestet werden», sagte einer der Schüler der «Washington Post».

Prominente Kunden
Über die Rechtmäßigkeit und Effektivität von Services wie Turnitin wird auch über die Grenzen der Highschool hinaus diskutiert. Ein Turnitin -Sprecher erklärte indes, die Arbeit der Anwälte des Unternehmens und einiger Universitäten in der Umgebung hätte ergeben, dass Turnitin keine Rechte von Schülern und Studenten verletze. Zu Turnitins Kunden gehören auch die Georgetown University und die Universität von Maryland, sowie Highschools in den US-Counties Montgomery, Prince George's, Loudoun und Arlington.

Aber es gibt noch weitere Gegenstimmen. So haben drei Professoren der Grand Valley State University in Michigan diesen Monat einen Brief veröffentlich, in dem sie beklagen, Turnitin nutze das geistige Eigentum der Studenten aus zweifelhaften Gründen. Auch die Universität von Kansas entschied sich, den Vertrag mit Turnitin auslaufen zu lassen, aus Kostengründen und wegen des Schutzes geistigen Eigentums.

Zitieren lernen
«Es gibt viele Debatten übe Services wie den von Turnitin», so Rebacca Ingalls, Professorin für englisch an der Universität von Tampa. «Die Studenten müssen ihre Arbeiten einem Service übergeben der damit Geld macht, ohne etwas davon zu haben.» Soweit hat die McLean Highschool möglicherweise gar nicht gedacht: «Es gab an unserer Schule Plagiats-Fälle und wir wollen den Schülern mit Turnitin beibringen, dass man seine Quellen zu nennen hat,» so die stellvertretende Rektorin Kimberly Carney.

Die Schüler werden, bevor ihre Klassenarbeiten eingeschickt werden, so viele Entwürfe wie sie möchten bei Turnitin einsenden können und erhalten dann die Anmerkungen und Hinweise auf Übereinstimmungen mit fremden Texten. Dann können Sie überprüfen, ob sie ordentlich zitiert haben. Die Schüler sind allerdings der Meinung, sie könnten auch ohne die Datenbank zitieren lernen und wünschten sich etwas mehr vertrauen. Viele Lehrer der Schule sind allerdings der Meinung, in einer «Copy and Paste»-Welt ginge es nicht mehr ohne Unterstützung, alleine könnten sie die Plagiate nicht entdecken.

Turnitin wird in der Washingtoner Gegend Fairfax seit 2003 genutzt, inzwischen von einem Dreiviertel der Highschools. Turnitin kostet eine Schule 80 Cent pro Schüler und Jahr, so hat Fairfax im vergangenen Jahr zwischen 24.000 und 30.000 Dollar für den Service bezahlt. Der Gründer John M. Barrie sagte, er habe den Service gestartet als seine Kommilitonen an der Berkeley Universität sich beklagten, dass andere nur mit Abschreiben durchkamen. Inzwischen nutzen den Service über 600 Institutionen in 90 Ländern und 60.000 Arbeiten von Schülern kommen täglich hinzu. Klagen von Studenten oder Schülern hätte es nie gegeben, schließlich würden ja die Interessen der Ehrlichen vertreten.(nz)