18.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Wer bei Rot geht, wird zurechtgewiesen: Überwachungskamera in einer Fußgängerzone
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Big Brother überwacht nicht nur, Big Brother schreit auch. In Großbritannien gibt es jetzt die ersten Überwachungskameras, die lautstark auffälliges Verhalten kommentieren.
Die ersten sprechenden Kameras sind da. Das System der CCTV-Kameras erlaubt es dem Wachpersonal, dass ein Vergehen beobachtet sei es das Fallenlassen von Müll oder nächtliche Pöbeleien eine verbale Warnung auszusprechen: «Sie werden beobachtet».
In der Stadt Middlesbrough wurden bereits an sieben der 158 im öffentlichen Raum installierten Kameras Lautsprecher angebracht. Und das Experiment wird als Erfolg gewertet: «Es wirkt sehr abschreckend. Es ist schon ein Unterschied, ob du weißt, dass du von einer Kamera beobachtet wirst, oder ob du lautstark darauf hingewiesen wirst, was du gerade falsch gemacht hast» freut sich der System-Manager Jack Bonner.
Peinlich berührt«Die meisten Leute sind so beschämt und es ist ihnen so peinlich, dass sie bei was auch immer erwischt wurden, dass sie sofort verschwinden. Es gab einen Fall, da fingen zwei Männer eine Schlägerei außerhalb eines Nachtclubs an. Ein Mann aus dem Kontrollraum warnte sie über Lautsprecher, sie schauten sich erschrocken um und verschwanden in unterschiedliche Richtungen», berichtete Bonner der britischen «Daily Mail».
Wer nichts zu verbergen hat, soll sich besser fühlenEs ginge schließlich nicht darum, die Leute zu schikanieren, sondern die Straßen sicherer zu machen. Damit schütze man diejenigen, die sich an Gesetze halten und könne das Verhalten derer ändern, die es nicht tun. Die Leute denken lieber noch einmal nach, bevor sie etwas Verbotenes tun.
Die Zeitung berichtet weiter, sie wurde Zeuge, wie ein junger Mann mit dem Fahrrad durch eine Fußgängerzone fuhr und per Lautsprecher dazu angehalten wurde, abzusteigen und zu schieben. Der junge Mann hielt an, sah sich um und war zutiefst schockiert, als er realisierte, dass er gemeint war. Er stieg ab und schob sein Rad durch die Zone.
Big Brother auf Schritt und TrittEine 40-jährige Hausfrau sagte der «Daily Mail», sie hätte sich schon sehr erschrocken, als sie die Stimme hörte, auch wenn sie nicht gemeint war. «Es ist ziemlich unheimlich zu wissen, dass jeder Schritt überwacht wird», sagte sie. Andererseits gäbe es in Middlesbrough ein Problem mit asozialem Verhalten, und so fühle sie sich sicherer.
Man soll freundlich auseinander gehenEingeführt wurde das System von dem in der Stadt für seine Zero-Tolerance-Politik bekannte Bürgermeister Ray Mallon. Er will damit verstärkt gegen die Kriminalität in der Stadt vorgehen und die Lautsprecher aus dem Innenstadtbereich in die Vororte ausdehnen. Das Wachpersonal hat klare Vorgaben, was es sagen darf und was nicht. So müssen die Aufforderungen immer freundlich und förmlich vorgetragen werden. Wenn der Angesprochene gehorcht, hört er sogar noch ein «Danke».(nz)