netzeitung.deWikipedia trotzt Chinas Zensur

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Lupe Wikipedia trotzt Chinas Zensur

Im Gegensatz zu Google, Microsoft und Yahoo will sich Wikipedia nicht der chinesischen Zensur beugen. Trotz seiner Neutralität ist die Online-Enzyklopädie deshalb in China blockiert.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat sich der Aufforderung der chinesischen Regierung widersetzt und sich geweigert, politische Einträge in seiner von Nutzern generierte Online-Enzyklopädie für eine chinesische Version zu blockieren.

Damit positioniert sich Wales klar konträr zu den anderen Internet-Unternehmen Microsoft, Yahoo und Google, die öffentlich die Meinung vertreten, sie könnten immer noch mehr Gutes als Schlechtes anrichten, wenn sie sich der chinesischen Zensur beugen und ihre Inhalte den Wünschen der chinesischen Regierung entsprechend einschränken.

Wales vertritt indes die Meinung, dass Wikipedia entweder ganz oder gar nicht zu bekommen sei – dafür ist Wikipedia auch seit einem Jahr in China blockiert. Zusammen mit der Zeitung «Observer» und Amnesty International und der Unterstützung von über 37.000 Menschen weltweit hat Wales im Mai diesen Jahres die Kampagne «irrepressible.info» gestartet, die Regierungen auffordert, Blogger in ihrer Meinungsäußerung einzuschränken und IT-Unternehmen dazu anhält, Verhandlungen mit solchen Regierungen einzustellen.

'Ich gebe nicht auf'
Warum Wikipedia verboten wurde, ist laut Wales letztendlich nicht zu verstehen. «Wir haben internationale Neutralitätsregeln und löschen die Einträge im Falle von Persönlichkeitsverletzungen umgehend. Wir sind auch in keiner Weise ein Hort für Dissidenten oder sonstige Aktivisten. Insofern halte ich die Sperre für Wikipedia für einen Fehler, der aufgehoben werden wollte», sagte Wales dem «Observer».

Zensur widerspreche der Philosophie von Wikipedia. «Wir stehen für die Freiheit von Information und wenn wir einen Kompromiss eingehen würden, würde das ein falsches Signal setzen, nämlich das es niemanden mehr gibt das sagt 'Ich gebe nicht auf'. Ich würde mir wünschen, dass auch Google diesen Standpunkt teilt», kritisierte Wales.

Neutralität gewahrt
Es ist anzunehmen, dass die chinesische Regierung Anstoß an dem Eintrag zu den Protesten am Platz des himmlischen Friedens 1989 nimmt. Denn dort werden sowohl die 200-300 von der Regierung bekannt gegebenen toten Studenten erwähnt, als auch die von dem Roten Kreuz geschätzten 2000 bis 3000 Toten. «Wenn wir nur eine Sichtweise darstellen würden, könnte ich Irritationen verstehen. Aber wenn wir beide Varianten gegenüber stellen, ist das doch genau das, was von einer Enzyklopädie erwartet werden sollte», so Wales.

Weitere Gespräche mit den Chinesen stehen Wales bevor, denn er will weiter versuchen sie zu überreden, die Website unzensiert zuzulassen. Eines seiner Argumente werde sein, sagte Wales, dass auf diese Weise auch niemand von den ganzen positiven Aspekten und zum Beispiel schönen traditionellen Dörfern erfahren werde. Und das nur, weil die Regierung verhindern will, dass jemand etwas über die Falun-Gong–Sekte liest. (nz)