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Online-Desktop im Browser: YouOS.com (Foto: Screenshot/nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Online-Desktop im Browser: YouOS.com
Foto: Screenshot/nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eigene Musik hören, Texte schreiben, Daten speichern: Mit Online-Desktops kann man in Zukunft von jedem Computer auf sein eigenes Internet-Betriebssystem zugreifen.

Von Benjamin Hammer

Internet-Entwickler tüfteln an ihrem nächsten Coup. Herkömmliche Betriebssysteme wie Windows könnten in Zukunft an Bedeutung verlieren. Internet-Betriebssysteme lassen sich von jedem Computer aus starten. Die so genannten Online-Desktops bieten viel Speicherplatz, kostenlose Programme und persönliche Einstellungsmöglichkeiten.

Das Prinzip ist einfach: Nachdem sich der Benutzer registriert hat, erscheint eine persönliche Benutzeroberfläche im Internet-Browser – ähnlich wie beim normalen Betriebssystem. Der Nutzer hat bis zu fünf Gigabyte Speicherplatz auf einem Server. Alle Programme des Betriebssystems werden in den Internet-Browser geladen und sind nicht auf dem Computer installiert.

Desktop wie zu Hause
Ein Beispiel: Ein Willy Mustermann ist im Urlaub und geht in ein Internet-Café. Dort besucht er seinen Online-Desktop von «YouOS.com». Ein persönliches Hintergrundbild erscheint. Zuerst startet Willy den MP3-Player und hört sich seine Lieder an, die er zuvor ins Netz geladen hat. Dann chattet er mit seinen Freunden – wie zu Hause - denn das Messengerprogramm ist in das Betriebssystem integriert. Willy muss einen Brief schreiben und startet das Textverarbeitungsprogramm. Die Datei speichert er dann auf seiner Internet-Festplatte. Auch seine Urlaubsbilder lädt er direkt ins Internet.

Schon seit einigen Monaten gibt es webbasierte Programme. So startete Google mit Writely ein Online-Schreibprogramm. Neu ist jedoch, dass es ganze Online-Betriebssysteme gibt. Die Entwickler setzen dabei auf Open Source – also einen offenen Programmiercode. So gibt es für YouOS schon über 300 Programme und Spiele. In einem Chatprogramm etwa, können sich Nutzer in verschiedenen Sprachen unterhalten und verstehen - dank integrierter Übersetzung. Weil die Programme die Infrastruktur des Web-Browsers benutzen, ist ihre Datenmenge sehr klein.
«Alle Programme bewegen sich ins Internet»
Die kostenlosen Online-Desktops werden von jungen Firmen entwickelt. Und die Programmierer sind von ihrem Erfolg überzeugt. «Alle Programme bewegen sich ins Internet», sagt etwa Michael Robertson von «Ajax». Seine Firma hat bisher webbasierte Anwendungen entwickelt und startet bald ein Internet-Betriebssystem.

Das «Wall Street Journal» berichtet, dass immer mehr Unternehmen auf teure Programme wie Microsoft Word verzichten. Stattdessen laden sie sich die Software aus dem Internet. Ob die Firmen irgendwann auf ein teures Betriebssystem verzichten können? Abzuwarten bleibt jedenfalls, wie viele Benutzer bereit sind, ihre persönlichen Daten dauerhaft im Internet zu speichern.

Noch sind die Online-Desktops nicht ausgereift. Dennoch beeindruckt die Leistungsfähigkeit der Desktops. Die meisten Anwendungen laden in Sekundenschnelle - langwierige Installationen wie beim Heim-PC gibt es hier nicht. Für Nutzer, die viel unterwegs sind und auf persönliche Einstellungen und Daten nicht verzichten wollen, sind die neuen Desktops eine echte Bereicherung.