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Vom Bücher schnorren und Punkte sammeln

12. Sep 2006 13:55
Musik-Website Weedshare
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Das Internet verändert den Gebrauch und Vertrieb von Musik und Büchern immer weiter. Über zwei neue Bücher-Portale und zwei alternative Vertriebsmodelle für Musik werden auch die Nutzer stärker vernetzt.


Von Mona Clerico

Mit Book Mooch und Library Thing gibt es zwei neue Web-Portale, die Bücherfreunden die Möglichkeit bieten, sich als Buchhändler, Literaturkritiker und Ratgeber für Gleichgesinnte zu betätigen. Zwei weitere Web-Projekte wollen alternative Vertriebsmodelle für den Musikmarkt etablieren: Auf Weedshare und Magnatune sollen Künstler und Musikfans unter Umgehung der Plattenindustrie miteinander ins Geschäft kommen.

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Im Rahmen der Web 2.0-Entwicklung reichen sich Nutzer über solche Projekte, Portale und Web-Communities immer häufiger nützliche Informationen weiter und entdecken somit neue Möglichkeiten, Konsumgüter unter Umgehung der großen Firmen und ihrer Profitinteressen untereinander auszutauschen und miteinander zu teilen.

Austausch gebrauchter Bücher

Book Mooch ist eine Web-Community zum Austausch von gebrauchten Büchern. Obwohl das Portal erst drei Wochen alt ist, wurden dort bereits 55.000 Bücher getauscht. Das Prinzip ist einfach: Man gibt zehn Bücher ein, die man nicht mehr benötigt, und erhält dafür jeweils einen Zehntel Punkt. Für jedes Buch, das man tatsächlich an jemand anderen abgeben kann, erhält man einen vollen Punkt. Ebenso viel kostet es, ein Buch von einem anderen Nutzer zu «schnorren» - wie der englische Begriff «to mooch» zu übersetzen ist. Schickt man ein Buch ins Ausland, bekommt man dafür drei Punkte. Alternativ kann man die Punkte auch einer wohltätigen Einrichtung zugute kommen lassen. Gibt man etwa einen Punkt an ein Kinderkrankenhaus, so erhält ein krankes Kind ein Buch gratis ans Bett geliefert.

«Mir erschien es einfach naheliegend, einen solchen Service einzurichten», sagte der Betreiber von Book Mooch, John Buckman, bei der Vorstellung des Projekts auf der Münchener Konferenz «Media in Transition». «Ich fand es schade, gelesene Bücher im Regal herumstehen zu lassen, wenn ich genau wusste, dass ich sie nie wieder lesen würde. Und vor mir war schlichtweg niemand auf die Idee einer solchen Community gekommen.» Das Büchertausch-Portal finanziert sich über Links zu Amazon: Wenn jemand von Book Mooch zu Amazon geht und dort ein Buch kauft, erhält der Book-Mooch-Betreiber eine geringe Provision. «Mir geht es überhaupt nicht darum, mit dieser Seite Geld zu verdienen», erklärte Buckman. «Mir gefällt einfach der Gedanke, meine Leseerfahrungen mit anderen Menschen zu teilen.»

Fachsimpeln unter Gleichgesinnten

Beim Internet-Portal Library Thing geht es nicht um gelesene Bücher, sondern um den verbalen Austausch mit anderen Leseratten. Der Nutzer listet dort bis zu 200 eigene Bücher als Katalog oder in Form eines Bücherbords auf und erhält somit eine professionelle Bibliographie zu seinem privaten Buchbestand. Die Daten müssen nicht alle mit der Hand eingegeben werden - sobald einige Begriffe aus dem Titel eingetippt sind, werden die passenden Titel angezeigt, so dass man nur noch den richtigen auswählen muss. Die Bücherliste kann man sich auch aufs Handy laden.

Zusätzlich erhält man danach Kontakt zu anderen Nutzern, die gleiche oder ähnliche Bücher in ihrem Bestand haben, so dass man sich austauschen und Buchempfehlungen weitergeben kann. Derzeit sind 75.000 Personen registriert. Die persönliche Bibliotheksliste wird zudem mit veröffentlichten Rezensionen verknüpft, und jeder Benutzer kann selbst Rezensionen schreiben. Aktuelle Hitlisten der meist gelesenen Autoren und beliebtesten Bücher ergänzen das Angebot dieser Community für Bücherfreunde.

«Man sollte das Filesharing fördern und nicht bestrafen»

Alternative Vertriebsmodelle für den Musikmarkt zu etablieren, ist das Ziel von zwei weiteren Web-Projekten, Weedshare und Magnatune. Hier sollen Künstler und Musikfans unter Umgehung der Plattenindustrie miteinander ins Geschäft kommen. Bei Weedshare handelt es sich um einen Download-Service für legales Filesharing. Während die Musikindustrie juristisch gegen Nutzer illegaler Tauschbörsen wie Kazaa vorgeht, ermöglicht Weedshare nicht nur den legalen Austausch von Musik, sondern bietet zusätzlich jedem Einzelnen die Möglichkeit, selbst gewinnbringend ins Musikgeschäft einzusteigen. «Es ist nur natürlich, dass Menschen die Musik, die sie lieben, an ihre Freunde weitergeben wollen», sagte Weedshare-Gründer Steve Turnidge. «Und es ist gut für die Künstler, denn auf diese Weise wird ein Song doch bekannt. Deshalb sollte man das Filesharing fördern und nicht bestrafen.»

Bei Weedshare kann man sich den gewünschten Song drei Mal kostenlos anhören. Beim vierten Anklicken öffnet sich automatisch ein Dialogfenster, und man wird gefragt, ob man den Titel kaufen will. Die gekaufte Musik kann man legal mit Freunden teilen. Diese dürfen den Song ebenfalls dreimal kostenlos abspielen. Wenn auch sie sich dann zum Kauf entschließen, bekommt der erste Käufer, der die Musik weitergegeben hat, eine Provision von 20 Prozent. Bei einem weiteren Verkauf, erhält der erste Käufer als «Zwischenhändler» noch zehn Prozent, in der nächsten Stufe noch fünf Prozent des Verkaufspreises.

Nur unbekannte Künstler

Für das Teilen der Musik gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann Links zur Musikdatei in den eigenen Blog oder auf die eigene Webseite setzen oder sie in Mailinglisten oder Forenbeiträge einbauen. Man kann die Dateien aber auch per E-Mail an Freunde verschicken oder sie auf CDs brennen und auf diesem Weg weitergeben. Einziger Haken des Modells: Über Weedshare können bisher nur Werke von relativ unbekannten Künstlern erworben und getauscht werden.

Einen anderen Weg, um Künstler und Musikliebhaber gleichermaßen zu ihrem Recht kommen zu lassen, geht das Internet-Plattenlabel Magnatune, das ebenfalls dem Book-Mooch-Betreiber John Buckman gehört. Der Verbraucher kann bei Magnatune Musik kaufen, der kommerzielle Nutzer Musiklizenzen etwa für Filme, Werbung oder Videospiele erwerben. Der Interessent kann sich die Musik zuerst kostenlos als Stream anhören und entscheidet dann, ob er sie kostenpflichtig herunterladen will. Es gibt keine Festpreise: Magnatune empfiehlt acht Dollar pro Album-Download, aber letztlich bestimmt der Käufer selbst, wieviel er zahlen will.

Alternativer Vertriebsweg

Jedes Album, das bei Magnatune erworben wurde, kann legal an bis zu drei Freunde weitergegeben werden, entweder auf CD-Rom oder über eine passwortgeschützte URL. Auch bei Magnatune findet man kaum etablierte Bands, da diese bei den großen Plattenfirmen unter Vertrag sind. Aber vielleicht kommen ja Künstler auch auf diesem alternativen Vertriebsweg einmal ganz groß heraus.

 
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