netzeitung.deDie harten Jungs unter den Laptops

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'ruggedized' Notebook (Foto: Panasonic<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'ruggedized' Notebook
Foto: Panasonic
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Weder Stürze, noch Wasser, Sand oder extremes Klima können ihnen etwas anhaben: Ultrarobuste Notebooks sind für den Einsatz in harten Arbeitswelten gedacht. Privatanwender haben sie noch nicht für sich entdeckt.

Von Julia Niemann

Robuste Laptops sind die harten Jungs unter den Notebooks. Man kann diese tragbaren Computer fallen lassen, ohne dass es ihnen etwas anhat. Ebenso kann ohne Weiteres eine Gießkanne voll Wasser über ihnen entleert werden. Auch Sandsturm, extreme Hitze oder Kälte machen den so genannten «Ruggedized Notebooks» nichts aus. Deshalb sind sie bei der Polizei, beim Militär, Landvermessern, Baggerführern und ähnlichen Außendienstlern sehr beliebt. Für Privatpersonen sind die Modelle wegen ihrer mitunter eingeschränkten Funktionalität und des vergleichsweise hohen Preises bis jetzt weniger interessant, dabei wären sie etwa für einen Haushalt mit kleinen Kindern ideal.

In diesem Sommer feiern die Ruggedized Notebooks aus der Toughbook-Serie des Marktführers Panasonic ihr zehnjähriges Jubiläum. Das Unternehmen entschied sich Mitte der 90er Jahre wegen des beginnenden Preiskampfs unter den Laptop-Anbietern, sich auf das Marktsegment für besonders widerstandsfähige Mobil-Computer zu konzentrieren. So entstand 1996 das erste Toughbook, dass die Standards für die Serie festlegte: Es übersteht unbeschadet einen Sturz aus 70 Zentimetern Höhe, ist zuverlässig gegen Staub und Flüssigkeit geschützt, das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung und ist mit einem stabilen Handgriff ausgestattet. Zu den ersten Käufern gehörten Monteure, Techniker und Polizisten.
Nutzerfreundliche PCs
Die Entscheidung der Hersteller für die Nische beruht unter anderem auf Studien, laut denen Unternehmen Arbeitsausfälle wegen kaputter Computer zu 46 Prozent einem Sturz des Geräts zuschreiben und zu 30 Prozent, weil das Gerät nass geworden ist. Bis das Gerät eingeschickt und repariert wurde, vergehen meist Tage, wenn nicht Wochen. Aus dem Wunsch nach einer Zuverlässigkeit gegen Ausfälle entscheiden sich deswegen Unternehmen für «fully ruggedized» oder auch «semi ruggedized» Notebooks.

Während erstere ausgewiesen getestet, US-Army-zertifziert und somit vollständig geschützt sind, können letztere nur teilweise oder nur geringeren Belastungen widerstehen – dafür sind sie meistens leichter und sehen schöner aus, wie beispielsweise die «Ultra Portables», die verstärkt für Manager und Arbeiter im Außendienst eingesetzt werden sollen. Neben der Toughbook-Modellreihe von Panasonic gibt es auch eine Rocky-Modellreihe der Firma Roda und weitere robuste Notebooks von Siemens und Itronix.
Schutz aus Schaumstoff und Gummi
Was die robusten Notebooks so stabil macht, ist zum einen das schlag-, erschütterungs-, wasser- und klimafeste Gehäuse, zum anderen der Gummischutz an den Anschlussstellen, der das Durchdringen von Feuchtigkeit verhindert und die Festplatte vor Stößen schützt, so dass, sollte das Notebook doch einmal kaputtgehen, wenigstens die Daten erhalten bleiben – was bei herkömmlichen Laptops größtenteils nicht möglich ist. Außerdem läuft die verschüttete Flüssigkeit durch die isolierte Tastatur einfach durch und unten wieder raus.
Druck in der U-Bahn
Ein weiterer Aspekt hat die Hersteller in Japan animiert, ihre Laptops auch auf Druckresistenz zu testen: Die überfüllten U-Bahnen in Japan. Durch das dicht gedrängte Zusammenstehen in den Waggons wurden etliche Geräte beschädigt, so dass die Modelle der «Ultra Portables» zudem innen gefedert sind und auch der Magnesium-Rohling dem Druck von 100 Kilogramm standhält.

Die Rohlinge der Toughbooks werden in Japan gefertigt, die Konfigurierung für Europa wird in einem kleinen Werk im walisischen Cardiff vorgenommen. Dort werden die Modelle speziell nach den entsprechenden Kundenwünschen zusammengebaut, getestet, gereinigt und zusammengepackt und gewogen – anhand des Gewichts lässt sich erkennen, ob etwas fehlt. Das machen ungefähr zehn bis zwanzig Leute. Nebenan werden kaputte Notebooks von einigen Technikern repariert, mit dem Ziel, innerhalb von 96 Stunden nach Anruf des Kunden das Gerät wieder zurückgeliefert zu haben – was freilich nicht immer gelingt. 300 bis 500 Laptops werden dort pro Tag fertig gestellt – je nach Auftragslage, bei weltweit zwei Milliarden verkauften robusten Computern des Unternehmens pro Jahr.
15 Stunden Laufzeit
Ein weiteres Kriterium, das es zu erfüllen gilt, ist die Helligkeit der Displays und eine möglichst lange Akku-Laufzeit. So ist es für die Arbeit im Außendienst unerlässlich, dass der Laptop möglichst den ganzen Arbeitstag über im Einsatz sein kann – und dabei sollen die Batterien ebenfalls möglichst leicht sein. Die Laufzeit der Toughbooks liegt zwischen acht und 15 Stunden – allerdings sollten, um das Maximum zu erreichen, WLAN und das DVD-Laufwerk ausgeschaltet sein, da das enorme Stromfresser sind.

Auch die robusten Laptops laufen mit Lithium-Ionen-Akkus, die derzeit heftig diskutiert werden, nachdem die Firma Dell Millionen von Laptops zurückgerufen hat, weil bei den Akkus Brandgefahr besteht. Ein Gefährdungspotenzial, das immer besteht, räumt Panasonic Europe CEO Dr. Herbert Fischer ein. Da bei Panasonic aber sowohl die Batterien als auch die Rechner gefertigt und strengen Qualitätskontrollen unterliegen würden, sei ähnliches bei den robusten Notebooks nicht zu erwarten. Nun musste allerdings auch der hinter Panasonic stehende Elektronikkonzern Masushita 6000 Lithium-Ionen-Akkus zurückrufen, die die 'semi ruggedized' Notebooks vom Typ CF-W4G betreiben. Es bestehe die Gefahr der Überhitzung.


Für alle Hersteller gilt es, eine Balance zu finden zwischen einem Maximum an Robustheit und Leichtigkeit und dabei möglichst geringen Kosten. Der Faktor Leichtigkeit ist mit neuen ultraleichten Modellen, die nur knapp 1300 Gramm wiegen so gut wie ausgeschöpft – dafür muss sich der Abnehmer aber auch bis jetzt noch zwischen DVD-Laufwerk und Wireless LAN entscheiden.
Eher teuer
Und dabei sind diese Geräte gegenüber herkömmlichen No-Name-Laptops eher teuer. So bezahlt ein Unternehmen je nach den entsprechenden Bedürfnissen an die Geräte immer noch zwischen 2000 und 4000 Euro pro Stück, muss aber dafür nicht innerhalb eines halben Jahres an die 40 Prozent der Rechner durch neue ersetzen. Diese Kalkulation lohnt sich allerdings häufig nur für Unternehmen mit Mitarbeitern im Einsatz außerhalb des Büros, sei es als Pilot, als Testfahrer, auf einem Boot oder einer Expedition, für Ärzte oder auch im Einzelhandel. Zu den Kunden des Marktführers Panasonic gehörten unter anderem die Deutsche Telekom, Dr. Oetker, der ADAC, L'Oreal, Condor, Ford und Renault.

Allerdings haben sich sicherlich auch schon viele Familien mit Kindern oder zu Hause arbeitende Mütter ein robusteres Gerät gewünscht, dass nicht durch jede Erschütterung oder jeden Sturz und verschütteten Apfelsaft beschädigt würde, und könnten dafür getrost auf einige Funktionen verzichten. Bis jetzt gibt es für Privatkunden so gut wie keine Möglichkeit, ein Toughbook zu erstehen, denn bei Mediamarkt und Saturn sucht man nach den robusten Laptops vergeblich. Das soll sich allerdings ändern: Ab Oktober sollen die neuen «Ultra Portables» auch über ein Online-Portal vertrieben werden.