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Die Tücken der Netz-Überwachung

24. Aug 2006 15:11, ergänzt 17:56
Viele Drähte: Eine Überwachung des Internets gestaltet sich schwierig
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Nach dem Vorstoß von Innenminister Wolfgang Schäuble wird über eine bessere Überwachung des Internets diskutiert. Doch als Allheilmittel taugt das Konzept nicht. Dazu fehlt es vor allem an Fachleuten - und an Zeit.

Ganz so einfach, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) es sich wünscht, ist die Forderung nach einer stärkeren Kontrolle des Internet nicht umzusetzen. Zwar gibt es auch heute schon in mehreren Bundesländern Internet-Streifen der Polizei, die vom Arbeitsplatz in Deutschland aus weltweit auf Recherche-Tour gehen. Auch eine von Bund und Ländern getragene Zentralstelle für anlassunabhängige Recherche in Datennetzen existiert bereits seit 1998, das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum GTAZ in Berlin lässt im Netz forschen und Mail-Verkehr darf von Strafverfolgern grundsätzlich mitgelesen werden.

Doch um zum Thema islamistischer Terror im Netz zu ermitteln, braucht es Menschen mit einer Doppel-Qualifikation: Sie müssen Expertenwissen in Sachen Internet und entsprechende Sprachkenntnisse vorweisen. «Mehr Experten mit entsprechenden Sprachkenntnissen», hatte Schäuble in der «Zeit» selbst gefordert. Doch die «findet man nicht einfach auf der Straße» kommentiert die Gewerkschaft der Polizei.

Zumal sich den Gewiefteren unter den Straftätern viele Möglichkeiten bieten, ihre Spuren zu verwischen: Bei rund einer Milliarde Websites ist es für Ermittler unmöglich, auch nur annähernd jeden Winkel im Blick zu behalten. Extremistische Seiten stehen in der Regel nicht unter der Adresse www.bombenanschlag.de im Netz, Informationen austauschen kann man auch in Foren, die sich an sich mit völlig anderen Themen befassen, Verschlüsselungssoftware kann ebenso benutzt werden wie harmlos klingende Codes – selbst in Bilddateien lassen sich codiert Sprachinformationen einbinden. IP-Adressen können über Anonymisierungsdienste verschleiert werden.

Wirtschaft braucht Verschlüsselung

So wird der Anonymisierungsdienst AN.ON unter anderem von mehreren deutschen Universitäten getragen – nach der Entdeckung der Kofferbomben fordert der Kieler Justizminister Döring deshalb seine Abschaltung, ebenso wie Einschränkungen bei der Verschlüsselung von Internet-Daten. Doch auch hier zeigt sich, wie kompliziert die Materie ist: Denn die Methoden werden auch von deutschen Unternehmen gern verwendet, wenn es darum geht, sensible Daten via Internet zu versenden. Die geforderten Einschränkungen könnten hier Wirtschafts-Spionen die Arbeit erleichtern. Zudem ist Codierungs-Software im Netz frei verfügbar und ein Verbot dürfte Straftäter wohl nicht davon abhalten, sie zu verwenden.

Dazu kommt, dass gesammelte Daten auch ausgewertet werden müssen. Geheimdienste wie die amerikanische NSA arbeiten hier mit automatischen Filtern – allerdings zeigt das Beispiel 11. September, dass die schnelle Aufarbeitung großer Datenbestände ein Problem ist: Erst nach den Anschlägen fanden die Ermittler die entscheidenden Hinweise in ihrer Datensammlung – der täglich gesammelte Wust war schlicht aufgelaufen, weil er nicht schnell genug gesichtet werden konnte.

So kommt dem Internet bei der Recherche der Strafverfolger sicher eine wichtige Bedeutung bei – das Allheilmittel gegen Anschläge ist die Netz-Überwachung aber wohl nicht. Einen eher handfesten Vorschlag zum Thema machte nach Angaben des Internet-Magazins «Telepolis» der baden-württembergische Verfassungsschützer Schmalzl: Er fordert Ausweiskontrollen in Internet-Cafés.

 
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