Die Tücken der Netz-Überwachung
24.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Doch um zum Thema islamistischer Terror im Netz zu ermitteln, braucht es Menschen mit einer Doppel-Qualifikation: Sie müssen Expertenwissen in Sachen Internet und entsprechende Sprachkenntnisse vorweisen. «Mehr Experten mit entsprechenden Sprachkenntnissen», hatte Schäuble in der «Zeit» selbst gefordert. Doch die «findet man nicht einfach auf der Straße» kommentiert die Gewerkschaft der Polizei.
Zumal sich den Gewiefteren unter den Straftätern viele Möglichkeiten bieten, ihre Spuren zu verwischen: Bei rund einer Milliarde Websites ist es für Ermittler unmöglich, auch nur annähernd jeden Winkel im Blick zu behalten. Extremistische Seiten stehen in der Regel nicht unter der Adresse www.bombenanschlag.de im Netz, Informationen austauschen kann man auch in Foren, die sich an sich mit völlig anderen Themen befassen, Verschlüsselungssoftware kann ebenso benutzt werden wie harmlos klingende Codes selbst in Bilddateien lassen sich codiert Sprachinformationen einbinden. IP-Adressen können über Anonymisierungsdienste verschleiert werden.
Dazu kommt, dass gesammelte Daten auch ausgewertet werden müssen. Geheimdienste wie die amerikanische NSA arbeiten hier mit automatischen Filtern allerdings zeigt das Beispiel 11. September, dass die schnelle Aufarbeitung großer Datenbestände ein Problem ist: Erst nach den Anschlägen fanden die Ermittler die entscheidenden Hinweise in ihrer Datensammlung der täglich gesammelte Wust war schlicht aufgelaufen, weil er nicht schnell genug gesichtet werden konnte.
So kommt dem Internet bei der Recherche der Strafverfolger sicher eine wichtige Bedeutung bei das Allheilmittel gegen Anschläge ist die Netz-Überwachung aber wohl nicht. Einen eher handfesten Vorschlag zum Thema machte nach Angaben des Internet-Magazins «Telepolis» der baden-württembergische Verfassungsschützer Schmalzl: Er fordert Ausweiskontrollen in Internet-Cafés.
Für das Web ediert von Kai Kolwitz

