Internetfirmen als Chinas Komplizen kritisiert
10. Aug 2006 18:25
 |  Chinesen im Internetcafe | Foto: dpa |
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Menschenrechtler haben westliche Internetfirmen beschuldigt, Komplizen der Zensur in China zu sein. In einem Bericht nennt Human Rights Watch unter anderem Google und Microsoft. Amnesty sieht das ganz ähnlich.
Menschenrechtler haben westlichen Firmen Mitschuld an der Internet-Zensur in China vorgeworfen. Rebecca MacKinnon von der Organisation Human Rights Watch (HRW) gab als Ergebnis einer eigenen Untersuchung bekannt, dass Unternehmen wie Yahoo, Microsoft, Google und Skype «Mitschuld an der aktiven Zensur politischen Materials» trügen, «ohne die Nutzer über die Vorgänge zu informieren», wie Heise online zitiert.
Auf 149 Seiten dokumentiere HRW nach eigenen Angaben in dem Bericht «Corporate Complicity in Chinese Internet Censorship» (Deutsch: Komplizen der chinesischen Internet-Zensur) die Zusammenarbeit privater Unternehmen einschließlich dieser größten Internet-Firmen mit den chinesischen Behörden.HRW sei überzeugt davon, dass die Unternehmen moralisch verantwortlicher handeln und gleichzeitig weiter in China tätig sein können, sagte MacKinnon. Es sei für die Unternehmen an der Zeit zu entscheiden, ob sie «Teil des Problems oder Teil der Lösung» sein wollten.
«Tyrannisch, undurchsichtig»
Laut der Online-Ausgabe des «Standard» sagte die Menschenrechtlerin, das Ausfiltern von regimekritischen und politisch brisanten Internetseiten und Suchbegriffen sei «tyrannisch, undurchsichtig und unverantwortlich». MacKinnon habe die Unternehmen aufgerufen, offener mit den Nutzern umzugehen und sie zu informieren.
Human Rights Watch habe Interviews geführt und Suchmaschinen ausführlich getestet. Es habe sich gezeigt, wie willkürlich große westliche Internetfirmen Suchbegriffe blockieren, von denen sie glauben, die chinesische Regierung würde sie nicht dulden. «Es ist ironisch, dass Firmen, deren Existenzen auf Informations- und Äußerungsfreiheit aufbauen, nun oftmals sogar Begriffe zensieren, deren Zensur nicht einmal ausdrücklich von der Regierung verlangt wird», schreibt HRW auf der eigenen Homepage.
Amnesty erhebt ähnliche Kritik
Vor kurzem hatte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Google, Yahoo und Microsoft vorgeworfen, an der Zensur des Internets durch die chinesische Regierung mitzuwirken. Die Konzerne hätten sich aus geschäftlichen Interessen dem Druck der Behörden gebeugt, kritisierte Amnesty 20. Juli in London. Auf diese Weise trügen sie zur Verletzung der Meinungsfreiheit bei. Die Suchmaschinen-Betreiber stehen in der Kritik, weil sie kritische Einträge für Nutzer in China gesperrt haben.( nz)