netzeitung.deBlogs verbinden Israel und den Libanon

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'Ontheface' - das Blog von Lisa Goldman (Foto: ontheface.blogware.com<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Ontheface' - das Blog von Lisa Goldman
Foto: ontheface.blogware.com
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Über die Fronten hinweg: Libanesische Blogger und eine in Israel lebende Frau praktizieren Völkerverständigung - mitten im Krieg.

Zustande kam der Kontakt, als bevor die Kämpfe im Grenzgebiet des Libanon zu Israel ausbrachen. Sie habe einfach die Seite eines prominenten libanesischen Bloggers auf ihrem Blog verlinkt, berichtete die in Tel Aviv lebende kanadische Journalistin Lisa Goldman dem kanadischen Fernsehsender CTV.

«Er hatte einen bewegenden Eintrag geschrieben, in dem es darum ging, wie wichtig es ist, sich daran zu erinnern, dass auch auf der anderen Seite Menschen leben und den Hass zu beenden», erinnerte sie sich – einer der ersten Fälle, in denen überhaupt ein Link in Richtung Libanon in einem israelischen Blog erschien. In der arabischen und israelischen Blogger-Szene sorgte das für Aufsehen – und wurde zur Keimzelle eines Blog-Dialogs zwischen den getrennten Welten.
Israelische Mädchen mit Raketen
Journalistin Goldman und ihr Kollege machten den Dialog zur regelmäßigen Angelegenheit, setzten Links, kommentierten sich und zeichneten das Bild einer Zeit, in der man ganz normal und einfach zwischen den beiden Ländern hin und her reisen könnte. Als dann der Krieg kam, baten vor allem libanesische Blogger die Journalistin darum, die Kanäle offen zu halten.

Unter anderem kümmerte sich die 39-Jährige daraufhin um den Hintergrund eines Fotos, das israelische Mädchen dabei zeigt, wie sie Botschaften auf abschussbereite Raketen schreiben und das in der arabischen Welt wütend aufgenommen worden war. In ihrem Post erklärte Goldman, dass die Mädchen gerade erst nach fünf Tagen aus ihrem Bunker gekommen waren und dass die Botschaften lediglich an Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah gerichtet waren, nicht an alle Libanesen – und dass die Mädchen außerdem von den Fotografen zu ihrer Aktion angestiftet worden waren.
Nicht 'Kumbayah' gesungen
Mehr als 100 Kommentare erhielt die Journalistin auf diesen Eintrag, viele davon aus dem Libanon. «Als ich das Bild gesehen habe, habe ich nur eins gedacht: Die Kinder wissen nicht, was um sie herum vorgeht, sie haben einfach Spaß...», schreibt jemand mit dem Nutzernamen «C.H.». «Kinder sehen die Dinge aus einer anderen Perspektive als wir Erwachsenen. Ich glaube nicht, dass diese Kinder böse sind.»

Für Goldman ist das ein Beleg dafür, dass die Blogs gerade im Krieg eine wichtige Rolle erfüllen - auch wenn keine Lieder aus dem Jugendgottesdienst gespielt würden: «Ich werde jetzt keine Heldengeschichte daraus machen und behaupten, dass wir alle 'Kumbayah' gesungen haben, als die Raketen in unsere Städte geflogen sind. Aber wir haben nicht unsere Menschlichkeit verloren.» (nz)