netzeitung.deJapaner konstruieren Duftrekorder

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Orangen und Zitronen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Orangen und Zitronen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Japanische Wissenschaftler wollen einen Rekorder konstruieren, der Gerüche aufnehmen und beliebig oft abspielen kann. Das eröffnet neue Möglichkeiten etwa für das Online-Shopping.

Forscher des Technologischen Instituts in Tokio haben mit dem Bau eines Geruchsrekorders begonnen. Es soll damit einmal möglich sein, das Aufnahmegerät beispielsweise an einen frischgebackenen Kuchen zu halten, den Duft zu speichern und anschließend beliebig oft zu reproduzieren. Möglich machen sollen das ungiftige Chemikalien.

Hinter dem Projekt verbergen sich nicht nur wissenschaftliche, sondern auch geschäftliche Interessen. So soll der Duftrekorder einmal für Online-Shops genutzt werden. Einkäufer könnten möglicherweise eher versucht sein zuzugreifen, wenn Sie an Speisen oder Parfums zu Hause riechen können, bevor sie den «Kaufen» Button klicken. Auch Militärärzten soll die Erfindung nutzen, da durch eine Übermittlung von Gerüchen wie Blut oder Urin auch Diagnosen gestellt werden könnten, berichtet die Website des «New Scientist».

Eine Anzahl von Unternehmen arbeitet bereits mit Aroma-Generatoren, um Computerspiele oder Fernsehshows zu bereichern. Allerdings sind sie bisher auf eine relativ geringe Anzahl von Duftnoten beschränkt, erklärt Pambuk Somboon aus dem japanischen Forscherteam. Die Aufnahme eines Geruchs sei viel schwieriger als die eines Videos: «Ein Video wird aus Rot, Grün und Blau zusammengestellt, aber ein Geruch aus über 347 Geruchssensoren, daher werden sehr viele Chemikalien benötigt», so Somboon.

Fotos erriechen
Sein System nutzt 15 chemisch-sensorische Microchips, die wie elektronische Nasen funktionieren, um aus einem breiten Aromaspektrum auswählen zu können. Diese Sensoren stellen dann aus 96 Chemikalien ein digitales Rezept zusammen, das je nach Geruch neu gemischt wird. Wann immer ein Duft wiedergegeben werden soll, werden die relevanten Zutaten gemischt, erhitzt und verdampft. Bisherige Tests haben erfolgreich Orangen-, Zitronen-, Äpfel-, Bananen- und Melonen-Düfte rekonstruiert.

Auch andere Geruchsforscher sind an der Arbeit des Tokioter Instituts interessiert. «Ich bin gespannt, wie viele Gerüche dieses neue System herstellen kann», sagte Stephen Brewster von der Universität Glasgow, der derzeit erforscht, ob es der Geruchsinn Menschen ermöglicht, digitale Fotos zu erkennen, ohne sie zu öffnen. (nz)