01.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Festplatte online: Screenshot von der Rache-Website
Foto: Screenshot: NZ
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Weil er sich übervorteilt fühlte, hat der Käufer eines gebrauchten Laptops den Inhalt der Festplatte rekonstruiert und online gestellt. Für den Verkäufer ist das ziemlich peinlich.
Ein Streit um eine Ebay-Auktion und der darauf folgende Racheakt des Käufers haben jetzt die britische Polizei auf den Plan gerufen. Der vermeintlich übervorteilte Mann hatte die Daten auf der Festplatte eines ersteigerten Rechners wiederhergestellt und sie im Internet veröffentlicht unter voller Nennung des Namens des Verkäufers.
Begonnen habe alles damit, dass der unbekannte Mann für knapp 600 Euro ein gebrauchtes Notebook ersteigert habe, berichtet die News-Website «The Register». Was dann folgte, beschreibt der Käufer selbst auf der Rache-Website: Fast zwei Monate habe es gedauert, bis das Gerät überhaupt angekommen sei.
Nach dem Erhalt habe er dann festgestellt, dass der Computer entgegen der Auktionsbeschreibung nicht über ein DVD-RW-Laufwerk verfügte, auch hatte das Gerät deutlich weniger Hauptspeicher als versprochen. Doch die Krönung: Das Notebook habe nicht funktioniert. Seine Reklamationen seien ohne Erfolg geblieben schließlich habe ihm der Verkäufer gemailt, er sei inzwischen nach Dubai gezogen, man möge ihn bitte in Ruhe lassen.
Heimliche Handy-FotosDas reichte dem Käufer dann: Er baute die Festplatte aus, montierte sie in einen anderen PC und machte sich daran, den Inhalt zu rekonstruieren. Und es fand sich so einiges: Unter anderem die persönlichen Daten des Verkäufers, die Log-Ins seiner Mail-Accounts, Fotos von ihm sowie Scans seines Ausweises, auf denen der 19-Jährige nicht besonders professionell versucht hatte, sein Geburtsdatum zu fälschen.
Richtig peinlich dürfte für den Verkäufer aber erst seine wieder hergestellte Bildersammlung werden: Einiges an Pornographie hetero- und homosexueller Art - und vor allem 90 Bilder von Beinen fremder Frauen, die ganz offensichtlich mit einem Mobiltelefon heimlich in der Londoner U-Bahn aufgenommen wurden.
Die Polizei habe eine Anzeige gegen den Ersteller der Website erhalten, die Ermittlungen hätten begonnen, berichtete eine Sprecherin von Scotland Yard der News-Website. Und auch den Verkäufer konnten die Reporter von «The Register» erreichen: Sein Leben sei zur Hölle geworden, berichtete der: «Der Laptop war überhaupt nicht kaputt. Er war absolut in Ordnung», so der Mann. «Die letzten Tage waren ein Alptraum. Einige von meinen Freunden haben die Seite gesehen und mein Vater hat sich sehr aufgeregt.»
Niemals sei er gefragt worden, ob man das Geschäft nicht rückgängig machen könne, beteuert der Verkäufer weiter zumindest nicht in freundlichem Ton. Jetzt will er mit allen Mittel versuchen, dass die Seite vom Netz genommen wird. Am heutigen Donnerstag ist sie jedoch noch online. (nz)