40 Millionen von eDonkey-Nutzern gefordert
24.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
40 Millionen von eDonkey-Nutzern gefordert
Nach der Tauschbörsen- Razzia werden die betroffenen Nutzer mit absurden Schadensersatz- Klagen überzogen. Dabei hat die Musikindustrie gar keine stichhaltigen Beweise, meint ein Anwalt.
Nach der Großrazzia gegen eDonkey-Nutzer sieht ein Anwalt in erster Linie die Musikfirmen in der Beweispflicht: Christian Solmecke, dessen Kanzlei einige der Betroffenen in Nordrhein-Westfalen vertritt, ist der Ansicht, dass Behörden und Phono-Industrie den Vorwurf des bewussten, massenhaften Anbietens von Musik-Dateien in den meisten Fällen nicht nachweisen können.
10.000 Euro pro SongLaut Solmecke sind zu Beweiszwecken nur ein bis zwei Songs durch die Ermittler herunter geladen worden. Anhand von Songtiteln sei dann vermutet worden, dass weitere geschützte Musikdateien angeboten würden. So komme es dazu, dass die Anwender beschuldigt werden, tausende von Songs in das P2P-Netzwerk gestellt zu haben. Pro Musikstück verlange die Musikindustrie bis zu 10.000 Euro Schadensersatz.
10.000 Euro Pauschale«So kommen utopische Schadensersatzforderungen in Höhe von 40 Millionen Euro zustande», sagte der Rechtsanwalt. Später würde meist aber vorgeschlagen, gegen Zahlung einer Pauschale von 10.000 Euro die Sache zu vergleichen. Solmecke sieht dabei die Musikindustrie in der Beweispflicht: «In einem Zivilprozess muss die Musikindustrie nachweisen, dass der Nutzer einen solchen Schaden konkret verursacht hat.»
Unklare RechtslageAllerdings sei es oft rechtlich unklar, wer einen Internetanschluss tatsächlich genutzt hat. Bei Wohngemeinschaften könnten in der Regel mehrere Nutzer mit demselben Login parallel auf einen Internetanschluss mit einer einzigen IP-Adresse zugreifen. Der genaue Nuztzer des Computers bleibe bei dieser Methode aber unklar.
Kein Profi-RaubkopiererSolmecke tritt dem Eindruck entgegen, es handele sich bei den nach der Razzia Beschuldigten um Mitglieder eines koordinierten, professionellen Raubkopierer-Netzwerks. In der Tat ist es möglich, dass vielen nicht bewusst war, dass sie mit eDonkey nicht nur Dateien herunter geladen, sondern auch angeboten haben - denn die Software stellt Downloads automatisch anderen Nutzern der Tauschbörse zur Verfügung. Das lässt sich zwar verhindern, aber nur durch aktives Eingreifen und mit etwas genauerer Kenntnis des Programms. (nz)