Jamba will den chinesischen Markt erobern
21. Mai 2006 07:34
 |  Der "Crazy frog" von Jamba | Foto: Jamba |
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Der weltweit größte Klingeltonanbieter Jamba will nach Europa und den USA neue Märkte erschließen. Gerade in China und bei der Fußball-WM sollen neue Kunden geworben werden.
Der weltgrößte Anbieter von Handyklingeltönen, Jamba, will seine Position in Asien und Südamerika ausbauen. Vor allem China, wo das Unternehmen seit einem Jahr präsent ist, spiele hier eine besondere Rolle, sagte Geschäftsführer Markus Berger-de León in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
«Wir erwarten dort starkes Wachstum in den nächsten Jahren», sagte Berger-de Léon, der zu der Wirtschaftsdelegation gehört, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Michael Glos an diesem Montag und Dienstag nach Peking begleitet. Jamba strebe in China die Marktführerschaft beim Verkauf von Klingeltönen an. Die bisherigen Aktivitäten sollten demnach rasch verzehnfacht werden.Der Mobilfunkbetreiber China Mobile zähle bereits jetzt mehr als 300 Millionen Kunden, sagte der Jamba-Chef. Das Potenzial sei noch groß, da noch nicht einmal 30 Prozent der Chinesen ein Handy hätten.
Internet nur über das Handy genutzt
Da China noch nicht mit einer Kabel-Infrastruktur ausgestattet sei, nutzten Chinesen das Internet schon heute fast ausschließlich über das Handy. Dies sei ein Vorteil für den chinesischen Markt, sagte der Jamba-Chef. Noch in diesem Jahr würden in China Lizenzen für den UMTS-Standard vergeben, der für die Übertragung von Musik und Videos notwendig ist. Außer Klingeltönen für Handys entwickelt und vertreibt Jamba in digitaler Form Musik, Videos, Spiele, Grafiken und diverse Informationsdienste.Als «Riesenproblem» bezeichnete Berger-de León die Missachtung von Lizenzrechten in China. Jamba besitze derzeit zwar weltweit exklusiv die Urheberrechte an der Figur und den Tönen des «Crazy frog». «Das kümmert die Wettbewerber herzlich wenig, die verkaufen den trotzdem», sagte der Jamba-Chef. Noch gebe es keine Handhabe, wie man gegen die Raubkopierer vorgehen könne.
«Crazy frog» singt «We are the champions»
Vor allem während der Fußball-Weltmeisterschaft wolle Jamba zahlreiche neue Kunden gewinnen. Die Figur des «Crazy frog» solle zur WM als Fußballheld mit einer verfremdeten Version des Queen-Hits «We are the champions» zurückkehren, die neben dem Klingelton als Single und Video vermarktet werden soll, sagte Berger-de Léon.Jamba gehört seit 2004 zum US-Internetdienstleiter VeriSign und ist mit seinen Unterhaltungsangeboten in 28 Ländern vertreten. 520 Mitarbeiter sind am Firmensitz Berlin beschäftigt.
Kritik an Klingelton-Abonnements
Jamba war vor allem wegen seines Geschäftsmodells mit Klingelton-Abonnements in die Kritik geraten. Kinder hatten extrem hohe Handyrechnungen erhalten, nachdem sie sich Klingeltöne auf ihr Handy geladen hatten und ihnen dabei nicht bewusst war, dass sie dadurch ein teures Abonnement abgeschlossen hatten. Die Bedingungen für die Abonnements waren in den Fernsehspots so klein eingeblendet, dass sie in der kurzen Zeit eines Spots nicht zur Kenntnis genommen werden konnten. Inzwischen hat Jamba jedoch auf die Kritik reagiert und eine Kindersicherung eingeführt.
Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen 527 Millionen US-Dollar Umsatz. In dieser Zahl sind die Einnahmen nicht enthalten, die als Nutzungsentgelte direkt an die Netzbetreiber flossen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen betrug 121 Millionen Dollar. (nz)