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Tendenziell gut gelaunt: Blogger-Gefühle werden erforscht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Tendenziell gut gelaunt: Blogger-Gefühle werden erforscht
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wissenschaftler wollen die Stimmungslage der Blogger-Szene kartografieren. Erstes Ergebnis: Am Wochenende sind mehr Menschen betrunken als an Werktagen.

Einen neuen Blick auf die Stimmungslage der Blogger-Szene können jetzt Wissenschaftler der Universität Amsterdam werfen. Die Forscher haben eine Software namens «MoodViews» entwickelt, mit der sich das kollektive Befinden der Blogosphäre erfassen lässt.

Dabei nutzen die Forscher die Tatsache, dass die Verfasser der zehn Millionen Blogs des US-Services «LiveJournal» die Möglichkeit haben, ihre momentane Stimmung aus einer Liste von mehr als 100 Begriffen auszuwählen.

Diese wertet «MoodViews» aus – und kommt beispielsweise zu folgenden Ergebnissen: Das Stimmungs-Attribut «betrunken» etwa, so der «New Scientist» finde sich in den Blogs am Wochenende deutlich öfter als unter der Woche. «Gestresst» sind während der Sommermonate weniger Blogger als im Winter – speziell kurz vor dem Jahreswechsel nimmt der Stress bei den Bloggern deutlich zu, was die Wissenschaftler scharfsinnig mit den dann drohenden Arbeits-Deadlines und nahenden Verwandtenbesuchen erklärt.

Tristesse am Valentinstag
«Geliebt» oder «bereit zum Flirt» sind Blogger dagegen oft am Valentinstag – zumindest dann, wenn sie nicht zu der ungeliebten Kategorie Mensch gehören, die an diesem Tag deutlich häufiger als normal «einsam» anklickt.

Jüngste Weiterentwicklung des Tools ist ein Programm namens «Moodsignals», das in der Lage ist, die Stimmungsäußerungen mit bestimmten Ereignissen und dazu passenden Schlüsselwörtern in den Blogs zu verknüpfen. Getestet wurde «Moodsignals» anlässlich der Veröffentlichung des jüngsten Harry-Potter-Bands: «Es fand heraus, dass Begriffe wie 'Harry', 'Potter', 'Shop' und 'Buch' zu dieser Zeit öfter in den Blogs vorkamen als normalerweise», so Gilad Mishne, der die Forschung leitet. «Diese Begriffe wurden an das Nachrichtenarchiv übermittelt – so zeigte sich, dass sich die Aufregung um das neueste Harry-Potter-Buch drehte.»

Suchmaschine nach Blogger-Gefühlen
So weit, so erwartbar. Allerdings könnte sich das Tool bei weniger auf der Hand liegenden Ereignissen durchaus noch als wertvoll erweisen. Die Wissenschaftler berichtet von einem Investmentbanker, der mit dem Tool gerne die Zufriedenheit der Kunden mit verschiedenen Produkten auswerten möchte.

Die Forscher wiederum möchten noch in diesem Jahr eine Art emotionale Suchmaschine präsentieren, dass die Launen der Blogger in die Suche nach bestimmten Begriffen einbezieht. «Das wäre ein sehr interessanter Weg, um sich im Internet zurecht zu finden», kommentiert die Kommunikations-Spezialistin Jill Walker von der Universität Bergen. Allerdings weist sie darauf hin, dass Blogger im Internet in der Lage sind, jeden Charakter zu verkörpern, der sie gerne sein möchten – mit entsprechenden Folgen auf die Wahrhaftigkeit der Stimmungs-Ergebnisse. (nz)