04.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Richard Nevilles Website
Foto: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für die Sperrung einer Satirewebsite ist der australische Premierminister John Howard in die Kritik geraten. Ihm wird «inakzeptable Zensur» vorgeworfen.
Der australische Satiriker Richard Neville veröffentlichte Anfang März unter der Domain «Johnhowardpm.org» eine Sartireseite. Die wurde bereits 36 Stunden später gesperrt. Premierminister Howards war in die unrechtmäßige Abschaltung der Website verwickelt, wie der Online-Dienst «Heise» am Dienstag berichtete.
Auf einer Fake-Website, die das Design der offiziellen Website des australischen Regierungschefs John Howard imitierte, hatte Neville eine Rede veröffentlicht, in der sich der Premier für die Verwicklung Australiens in den Irak-Krieg entschuldigte.
Fadenscheinige BegründungDaraufhin hatte sich Neville bei Yahoo, seinem Webhost, nach den Gründen für die Abschaltung erkundigt. Dort erfuhr er, dass nicht der Provider die Satireseite aus dem Netz genommen hatte, sondern der Domain-Registrar Melbourne IT. Presseberichten zufolge hatten sich sowohl das Büro des Premierministers als auch die australische Polizei bei dem Registrar gemeldet, der daraufhin die Webseite einstellte.
Nevill musste sich indes mit einer nachgereichten Begründung zufrieden geben. Angebliche habe er bei der Anmeldung der Domain falsche Angaben gemacht, hieß es.
«Inakzeptable Zensur»Die Abschaltung der Website ist laut Kritikermeinung nicht nach Vorschrift verlaufen. Die Regularien der Internetkontrollbehörde Icann seien nicht eingehalten worden, hieß es bei «Heise». Demnach habe Neville keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten und wurde nicht ausreichende über die Gründe der Abschaltung informiert.
In einer offiziellen Presseerklären hat die Organisation Reporter ohne Grenzen das Vorgehen der australischen Regierung im Fall Neville hart kritisiert. Eine Webseite zu schließen sollte eine Gerichtsentscheidung erfordern , nicht nur eine Regierungsentscheidung, erklärte die Bürgerrechtsorganisation. «Diese Art der Zensur sei für eine Demokratie inakzeptabel.»
Wegen eines ähnlichen Falls war bereits im März die schwedische Außenministerin Laila Freivalds zurück getreten. Sie gab zu, in die unrechtmäßige Sperrung einer Website verwickelt gewesen zu sein.(nz)