Piratenpartei will Copyright beschränken
03.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die schwedische Piratenpartei wirft der Regierung vor, zwanzig Prozent der Bevölkerung zu kriminalisieren. Sie will das Urheberrecht auf kommerzielle Aspekte beschränken.
Die schwedische Piratenpartei hat einen scherzhaften Namen, aber ein ernsthaftes Ziel: Sie will das Urheberrecht in Schweden und Europa modernisieren. In einem Interview mit der Branchen-Website «LinuxP2P» sagte Parteigründer Rick Falkvinge, das Recht bevorzuge inzwischen einseitig die Interessen der großen Film- und Musikkonzerne.
Die schwedische «Piratpartiet» wurde Ende vergangenen Jahres von schwedischen Aktivisten gegründet. Sie wollen den Kopierschutz abschaffen und das Urheberrecht ändern - und dafür 2006 ins Parlament einziehen. Außerdem wollen sie sich dafür einsetzen, dass die Privatsphäre der Bürger besser geschützt wird.
«Irgendwo muss man ja anfangen»Falkvinge sagte «LinuxP2P», seine Partei wolle den Trend «hin zum Überwachungsstaat» stoppen. Jedoch sei zum Beispiel die Normalisierung des Urheberrechts eine Angelegenheit, die nur auf europäischer Ebene neu geregelt werden könne. «Wir sehen Schweden als Brückenkopf in diesem Fall. Irgendwo muss man ja anfangen.»
Der Partei-Gründer fragte rhetorisch: «Warum dauert zum Beispiel der Urheberschutz bis 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers an?» Dieser lange Zeitraum existiere lediglich aus kommerziellen Gründen und nicht zum Schutz des Urhebers. Es gebe keinen vernünftigen Ausgleich mehr zwischen dessen Interessen auf der einen Seite und dem Interesse der Gesellschaft an der Verbreitung von Kultur auf der anderen Seite, so Falkvinge.
Kopierschutz verbieten, Copyright beschränkenEr warf der Regierung vor, zwanzig Prozent der schwedischen Bevölkerung zu kriminalisieren. Ziel der Piratenpartei sei es deshalb, das Urheberrecht künftig auf kommerzielle Weiterverwertungen zu beschränken.
Kopierschutz will Falkvinge komplett verbieten. Eine Gefahr für die kommerziellen Interessen sieht er darin jedoch nicht. Es gehe vielmehr darum, dass Urheberrecht zu modernisieren und dem Internet-Zeitalter anzupassen. «Derzeit kriminalisiert die schwedische Regierung 20 Prozent ihrer Bevölkerung», so Falkvinge. Damit meint er die etwa 1,2 Millionen Schweden, die derzeit Dateitauschbörsen nutzen. (nz)