Lexikon wehrt sich gegen Wikipedia-Vergleich
23.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Foto: wikipedia.org
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Zeitschrift «Nature» wird von der Encyclopaedia Britannica angegriffen. Das Wissenschaftsmagazin soll den Vergleich des etablierten Lexikon mit Wikipeadia zurückziehen.
Im Dezember 2005 veröffentlichte die Wissenschaft-Fachzeitschrift «Nature» einen Vergleich des Nachschlagewerks Encyclopaedia Britannica mit Wikipedia. Die Qualitätsunterschiede zwischen beiden seien nicht sonderlich groß, so das Fazit, doch das wollen die Herausgeber der traditionsreichen Britannica nicht auf sich sitzen lassen. «Nature» solle seine Behauptungen sofort zurücknehmen, fordern sie.
Falsch und irreführendEncyclopaedia Britannica geht mit der Analyse von «Nature» hart ins Gericht. Fast alles an der Untersuchung sei falsch und irreführend gewesen, von den verwendeten Kriterien über deren Analyse und Einschätzung bis hin zur Schlagzeile, heißt es in einer Veröffentlichung namens «Fatally Flawed» («Völlig fehlerhaft»).
Falsche TextauswahlDie Vorwürfe gegen «Nature» beginnen schon bei den ausgewählten Texten. Diese seien zum Teil aus unterschiedlichen Artikeln zusammenkopiert, von «Nature»-Autoren erweitert oder stammten aus Ablegern der eigentlichen Enzyklopädie, an die andere Maßstäbe anzusetzen seien. In einem Einzelfall sei sogar ein Text geprüft worden, der aus keiner Publikation des Verlages stamme.
Die gefundenen Fehler oder Ungenauigkeiten seien zum Teil überbewertet, zum Teil seien es unterschiedliche Auffassungen feiner Nuancen. In einigen Fällen pocht die Encyclopaedia Britannica auf ihre Darstellung der Fakten, man habe verlässliche Quellen. «Nature» habe seinerseits den eigenen Prüfern blind vertraut, statt deren Analysen nochmals auf den Prüfstand zu stellen.
Hartes GerichtDennoch habe «Nature» einige Fehler gefunden, die mittlerweile nochmals recherchiert und korrigiert wurden. Auf die Analyse der Wikipedia geht die Encyclopaedia Britannica nicht ein, die Kritik richtet sich allein gegen das Vorgehen von Nature bei der Prüfung der Inhalte des eigenen Werkes.
Auch mit dem Verhalten von «Nature» geht man auf Seiten der Encyclopaedia Britannica hart ins Gericht, denn Nature habe die Basismaterialien der Untersuchung nicht zur Verfügung gestellt. Die eigene Analyse fuße daher nur auf den veröffentlichten Zusammenfassungen. Entsprechend beharrt man seitens der Encyclopaedia Britannica darauf, Zugang zu allen Rohmaterialien der Untersuchung zu erhalten, um diese eingehend prüfen und nachvollziehen zu können. (Golem.de)