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Copyleft statt Copyright

22. Mrz 2006 11:43, ergänzt 13:14
Lawrence Lessig in seinem Büro
Foto: Peter Schink
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Während das neue französische Urheberrecht für Aufsehen sorgt, gehen Internet-Aktivisten schon weiter und verzichten auf einen Teil ihrer Rechte. Die Netzeitung sprach in Stanford mit deren Vordenker Lawrence Lessig.

Von Peter Schink

Lawrence Lessig arbeitet in einem winzigen Büro der «Stanford Law School» auf dem Campus der Stanford University in der Nähe des kalifornischen Palo Alto. Die Bücherregale in dem kaum zehn Quadratmeter großen Raum reichen bis zur Decke, überall stapeln sich Papiere und Ordner.

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Dem 44-Jährigen Jura-Professor sieht man nicht an, dass er inzwischen als Ikone der Copyleft-Bewegung gilt. Lediglich eine Thermoskanne mit Google-Aufdruck gibt einen Hinweis darauf, dass Lessig sich mit dem Thema Internet mehr beschäftigt, als manch anderer profilierter Jurist.

Noch in den 90-Jahren galt Lessig als eher traditionsbewusster Verfassungsrechtler. Den Ruf hatte er sich eingehandelt, weil er in seiner Jugend für die Republikanischen Partei und später für konservative Juristen gearbeitet hatte.

Im Jahr 1997 änderte sich das: Er half, damals noch Professor in Harvard, einen Prozess gegen Microsoft vorzubereiten - und warnte öffentlich vor der Konzentration von Urheberrechtlich geschützten Werken in den Händen weniger Wirtschaftskonzerne. Er sah darin eine Gefahr für das eben erst wachsende Internet.

Auf einen Teil der Rechte verzichten

Im Jahre 2000 gründete Lessig, inzwischen Professor an der Stanford Law School, die «Creative Commons», um dem Urheberrecht ein alternatives Modell entgegenzusetzen. Die Idee ist denkbar einfach: Musiker, Fotografen, Filmemacher und Autoren können auf Grundlage der alternativen Lizenzen freiwillig auf einen Teil ihrer Rechte verzichten. Sie können beispielsweise die Verbreitung zu nicht-kommerziellen Zwecken zulassen oder die Änderung ihrer Werke explizit erlauben.

Im Jahr 2002 strengte Lessig schließlich eine Verfassungsklage an, um die Verlängerung des US-Urheberrechts auf 95 Jahre nach dem Tod eines Künstlers zu verhindern. Die Richter wiesen seine Klage ab, die «Creative Commons» wurden dadurch aber erst richtig bekannt - unter anderem auch deshalb, weil führende Zeitungen wie die «Washington Post» und die «New York Times» die Entscheidung für falsch hielten.

«Künstler und Konsumenten waren getrennt»

Für den überwiegenden Teil der Kreativen sieht Lessig durch die «Creative Commons» einen großen Vorteil gegenüber strengen Urheberrechtsregelungen: Ideen und Werke werden vor allem im Internet sehr schnell verbreitet, Künstler und Autoren werden dadurch bekannter, als das ohne das Netz überhaupt möglich wäre.

«Im 20. Jahrhundert waren Künstler und Konsumenten noch voneinander getrennt», sagte Lessig der Netzeitung. Das 21. Jahrhundert werde das völlig ändern. So hätten bereits drei Viertel aller jungen Erwachsenen bereits eigene Texte, Bilder, Musik oder Filme ins Internet gestellt - für diese heranwachsende Generation seien die «Creative Commons» dar.

Rasende Verbreitung

Die Idee des 44-Jährigen hat sich inzwischen rasend verbreitet. Inzwischen wurden die Lizenzen an die Rechtssystem von 29 Staaten angepasst, in 17 weiteren Staaten werden entsprechende Regelungen gerade ausgearbeitet. Lessig selbst war gerade in Malaysia, wo die Lizenzen vor wenigen Tagen eingeführt wurden. Mexiko und China folgen in diesen Tagen, bald erhält auch Malta CC-Lizenzen, erzählt der Jura-Professor.

Nach 12 Monaten zierte das kleine graue CC-Logo knapp eine Millionen Websites - die einfachste Methode für Kreative, ihre Werke unter den Schutz der abgestuften Lizenzen zu stellen. Ein weiteres Jahr später waren es vier Millionen Websites, bis Dezember bereits 45 Millionen - nicht eingerechnet die sieben Millionen Nutzer, die Fotos in der Community Flickr unter eine CC-Lizenz gestellt haben.

«Wir haben einfach die Tür geöffnet»

Die Bewegung wächst, ohne dass dafür überhaupt jemals Werbung gemacht wurde. «Wir haben die Lizenzen niemals beworben», sagte Lessig der Netzeitung. «Wir haben einfach die Tür geöffnet für alle, die davon gehört haben und mitmachen wollten.»

Mehr im Internet:
Die Website Flickr sei überhaupt eine der großartigsten Unterstützer für die Idee geworden, sagt Lessig. Viele Menschen seien durch das Foto-Netzwerk überhaupt erst auf das alternative Lizenzmodell aufmerksam geworden.

Inzwischen gibt es für die internationale Koordination ein Büro in Berlin, die Initiative wird von mehreren Firmen und Organisationen mit Geld unterstützt. «Wenn die Bewegung noch größer wird, müssen wir allerdings mehr finanzielle Unterstützung organisieren», sagt Lessig. Langfristig hoffe er, dass sich mit der Alternative weltweit auch die Sichtweise der Menschen und schließlich auch die Gesetzgebung ändere.

 
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