Copyleft statt Copyright
Lawrence Lessig arbeitet in einem winzigen Büro der «Stanford Law School» auf dem Campus der Stanford University in der Nähe des kalifornischen Palo Alto. Die Bücherregale in dem kaum zehn Quadratmeter großen Raum reichen bis zur Decke, überall stapeln sich Papiere und Ordner.
Noch in den 90-Jahren galt Lessig als eher traditionsbewusster Verfassungsrechtler. Den Ruf hatte er sich eingehandelt, weil er in seiner Jugend für die Republikanischen Partei und später für konservative Juristen gearbeitet hatte.
Im Jahr 1997 änderte sich das: Er half, damals noch Professor in Harvard, einen Prozess gegen Microsoft vorzubereiten - und warnte öffentlich vor der Konzentration von Urheberrechtlich geschützten Werken in den Händen weniger Wirtschaftskonzerne. Er sah darin eine Gefahr für das eben erst wachsende Internet.
Im Jahr 2002 strengte Lessig schließlich eine Verfassungsklage an, um die Verlängerung des US-Urheberrechts auf 95 Jahre nach dem Tod eines Künstlers zu verhindern. Die Richter wiesen seine Klage ab, die «Creative Commons» wurden dadurch aber erst richtig bekannt - unter anderem auch deshalb, weil führende Zeitungen wie die «Washington Post» und die «New York Times» die Entscheidung für falsch hielten.
«Im 20. Jahrhundert waren Künstler und Konsumenten noch voneinander getrennt», sagte Lessig der Netzeitung. Das 21. Jahrhundert werde das völlig ändern. So hätten bereits drei Viertel aller jungen Erwachsenen bereits eigene Texte, Bilder, Musik oder Filme ins Internet gestellt - für diese heranwachsende Generation seien die «Creative Commons» dar.
Nach 12 Monaten zierte das kleine graue CC-Logo knapp eine Millionen Websites - die einfachste Methode für Kreative, ihre Werke unter den Schutz der abgestuften Lizenzen zu stellen. Ein weiteres Jahr später waren es vier Millionen Websites, bis Dezember bereits 45 Millionen - nicht eingerechnet die sieben Millionen Nutzer, die Fotos in der Community Flickr unter eine CC-Lizenz gestellt haben.
Inzwischen gibt es für die internationale Koordination ein Büro in Berlin, die Initiative wird von mehreren Firmen und Organisationen mit Geld unterstützt. «Wenn die Bewegung noch größer wird, müssen wir allerdings mehr finanzielle Unterstützung organisieren», sagt Lessig. Langfristig hoffe er, dass sich mit der Alternative weltweit auch die Sichtweise der Menschen und schließlich auch die Gesetzgebung ändere.

