US-Regierung braucht Blogger-Unterstützung
21.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
In der Hoffnung, beschlagnahmte Dokumente schneller übersetzt zu bekommen, macht sich die Bush-Administration das «Open Source»-Prinzip zu Nutze. Dabei ist sie auf die Hilfe arabischer User angewiesen.
Vergangenen Donnerstag begann die US-Regierung, beschlagnahmte Dokumente der früheren irakischen Regierung im Internet zu veröffentlichen. Sie spekuliert darauf, dass patriotische US-Bürger arabischer Herkunft willens und in der Lage sind, die Dokumente ins Englische zu übersetzen.
Regierung nutzt Open SourceBei dem in Regierungskreisen beispielloses Unterfangen handelt es sich um Millionen von beschlagnahmten Akten die jeder, der des Arabischen mächtig ist, herunterladen und übersetzen kann. Damit macht sich die Bush-Administration das «Open Source»-Prinzip zu Nutze, das unter anderem auch dem Betriebssystem Linux und der Online-Enzyklopädie Wikipedia zugrunde liegt. Anstatt ein teures Team von Wissenschaftlern zusammenzustellen, die die irakischen Dokumente in aller Geheimhaltung analysieren, wird das System von hunderten von Amateuren genutzt, die ihre Arbeiten für jeden zugänglich veröffentlichen.
Keine geheimen InformationenDer amerikanische Geheimdienst erklärte der Online-Ausgabe des «Boston Globe» zufolge, alle veröffentlichten Dokumente seien zuvor jedoch von Experten zumindest überflogen worden. Die Amateure würden nicht plötzlich mit Informationen über Husseins Massenvernichtungswaffen konfrontiert.
Angeblich werden keine Dokumente, die die Privatsphäre von Einzelpersonen verletzen könnten veröffentlicht. Es soll sich lediglich um Dokumente handeln, die über die Arbeitsweise von Saddam Hussein Aufschluss geben. Auch ein Iraker will helfen. Der Blogger «Omar», ein Zahnarzt aus Baghdad, und Autor von «IraqTheModel» unterstützt ebenfalls das Projekt und versucht derzeit, ein Netzwerk aus zweisprachigen Bloggern zu organisieren um so viele Dokumente wie möglich zu übersetzen.
Macht des NetzesDie Veröffentlichung der Dokumente ist ein Sieg für Amerikas konservative Blogger, die hoffen, darin noch eine gute Rechtfertigung für den Krieg gegen den Irak zu finden. Der Republikaner Pete Hoekstra richtet kürzlich in einem Interview mit dem Blogger Andrew Marcus einen Appell an den Geheimdienst, «die Macht des Netzes zu entfesseln» und sich die Blogosphäre zu Nutze zu machen.
Liberale Blogger sehen in den veröffentlichten Dokumenten allerdings nur einen weiteren Beweis dafür, dass die Bush-Administration die nationale Sicherheit nicht ernst genug nimmt. «Warum hat unsere Regierung nicht ausreichend Übersetzer für den Job?», fragt Markos Moulitsas Zúniga, Gründer der Website «Daily Kos». (nz)