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Frankreich plant Ende des Kopierschutzes

14. Mrz 2006 16:06
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In Frankreich soll Nutzern per Gesetz erlaubt werden, Musikdateien auf allen Playern abzuspielen. Musikdateien müssten dafür in verschiedene Formate kopiert werden können.

Das französische Parlament wird voraussichtlich am Donnerstag über einen Gesetz abstimmen, das es erlaubt, digitale Musikdateien in andere Formate zu konvertieren, um sie auf unterschiedlichen Geräten abspielen zu können. Auch, wenn dafür der Kopierschutz geknackt werden muss.

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Nutzer sollen deshalb in Zukunft Software verwenden dürfen, die in Musikdownload-Shops gekaufte Songs in andere Formate umwandelt. Das würde in den meisten Fällen bedeuten, dass diese Programme auch Systeme für so genanntes Digital Rights Management (DRM) knacken müssen - von Kritikern auch als Digital Restrictions Management übersetzt.

Denn fast alle Songs der großen Download-Angebote werden verschlüsselt ausgeliefert, so dass sie nur auf bestimmten Geräten abgespielt werden können. Wer etwa über Apples iTunes-Shop Musikstücke kauft, bekommt sie mit Apples «Fair-Play-System» kodiert ausgeliefert. Diese Songs lassen sich dann nur auf einem Rechner mit iTunes-Software oder auf einem iPod abspielen. Das gleiche gilt für Dateien mit Windows-Media-DRM oder Sonys ATRAC-System: Auch sie können die Käufer nur mit ganz bestimmten Programmen und Playern abspielen.

Verbraucherschützer kritisieren diesen Lock-In-Effekt seit langem, weil er Nutzer dazu zwingt, bestimmte Kombinationen von Hard- und Software zu verwenden, die ihnen von den Anbietern vorgeschrieben werden. Zwar existiert kein DRM-System, das nicht bereits geknackt wäre. Doch ist es in fast allen EU-Ländern illegal, Programme zu diesem Zweck anzubieten. Denn die EU-Urheberrechtsrichtlinie schreibt vor, dass alle Mitgliedsländer Gesetze erlassen, die es verbieten, technische Schutzmaßnahmen - also auch DRM-Systeme - zu umgehen. In Deutschland ist das seit September 2003 der Fall; Frankreich hat diese Richtlinie allerdings - als eines der letzten EU-Mitgliedsländer - noch nicht umgesetzt.

Die Regelung werde dafür sorgen, dass «geschützte Systeme geöffnet werden müssen», sagte Christian Vanneste, der als Berichterstatter den Gesetzesentwurf maßgeblich beeinflusst hat. Er ergänzte: «Es muss erlaubt sein, Inhalte herunterzuladen und auf jedem Gerät abzuspielen.»

EU-Richtlinie in Frage gestellt

Das deutsche Justizministerium - ebenso wie die Gesetzgeber in anderen EU-Staaten - hatte immer darauf verwiesen, dass die EU-Urheberrechtsrichtlinie zwingend vorschreibe, DRM-Systeme zu schützen und keinen Spielraum für andere Auslegungen lasse. Sollte die französische Regelung Bestand haben, kämen diese Argumente auf den Prüfstand. Wird das Gesetz so wie beschrieben verabschiedet, ist allerdings davon auszugehen, dass es von der EU darauf hin überprüft wird, ob es mit der Richtlinie in Einklang steht.

In Frankreich wird nun darüber spekuliert, ob Apple dort den iTunes-Musicstore schließen wird, da die Musikstücke in Zukunft «ungeschützt» wären. «Jede Person, die iTunes-Songs konvertiert, kann sie dann woanders anbieten», sagte Marc Guez, Chef der französischen Verwertungsgesellschaft für Musiker (SCPP), gegenüber Reuters.

Das lässt allerdings außer Acht, dass zum einen Apples Fair-Play-System bereits seit langem geknackt ist. Zum anderen dürfen die Nutzer fast aller Download-Angebote ihre Musik auf Audio-CDs brennen. Diese lassen sich dann wiederum in nicht-DRM-kodierte Dateiformate wie OGG oder MP3 umwandeln. Somit dürfte das, was der Gesetzgeber jetzt gestatten möchte, auch in Frankreich längst Realität sein.

Musiktausch bleibt illegal

Um Musik anzubieten, reicht es außerdem nicht aus, sie ohne DRM-Verschlüsselung vorliegen zu haben. Anbieter brauchen auch in Frankreich die Genehmigung der Rechteinhaber, um Musik verbreiten zu dürfen. Das würde sich durch den Gesetzesentwurf nicht ändern.

Allerdings ist es wahrscheinlich, dass große Musik- und Filmfirmen, die ihre Inhalte über Download-Angebote anbieten lassen, nicht auf DRM-System verzichten wollen. Dass sie daher Anbieter wie Apple zwingen würden, Angebote wie den iTunes Store in Frankreich zu schließen, indem sie keine Inhalte mehr liefern, ist denkbar. Da die geplante Regelung aber füralle Anbieter gilt, hieße das, dass sich Inhalteanbieter, die nicht auf den Einsatz von DRM verzichten wollen, komplett aus dem französischen Markt zurück ziehen müssten - was bezweifelt werden darf. ( Von Matthias Spielkamp, Golem.de)

 
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