netzeitung.deUnion will «Killerspiele» verbieten

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Mit Produktions- und Vertriebsverboten sowie einem elektronischen Filter wollen die unionsgeführten Bundesländer gegen Gewaltspiele vorgehen. Die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen soll dadurch verringert werden.

Im Koalitionsvertrag von SPD und Union ist ein Verbot von Spielen vorgesehen, in denen Menschen brutal getötet werden. Bei einer Tagung der Innenminister der unionsgeführten Bundesländer wurde das Gewaltpotenzial der so genannten «Killerspiele» behandelt. Hier wollen die Innenminister vor allem mit Verboten und Filtermechanismen der zunehmenden Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen entgegenwirken.

«Wir beobachten die zunehmende Gewaltbereitschaft gerade von Kindern und Jugendlichen mit großer Sorge. Deshalb muss konsequent gegen Spiele, die Gewalt in jeder Form verherrlichen, vorgegangen werden», sagte Volker Bouffier, Innenminister von Hessen. «Dazu sollte das Jugendschutzgesetz insofern geändert werden, dass eine niedrigere Eingriffsschwelle, durch das Streichen des Wortes 'offensichtlich' jugendgefährdend, erreicht wird.» Gewalt verherrlichende Spiele seien «mit einem effektiven Jugendschutz schlicht unvereinbar», so Bouffier.
Gefahr aus dem Netz
Da «Killerspiele» jedoch nicht nur auf Datenträgern zu Kindern und Jugendlichen gelangen, sondern auch aus dem Internet heruntergeladen werden, könnte sich ein Verbot nicht nur auf die Herstellung und den Vertrieb beschränken. Die Unions-Innenminister sehen das Problem vorallem bei den «virtuellen Killerspielen»: «Hier gibt es einen riesigen grauen Markt», so Bouffier. Die Teilnehmerzahlen an diesen überaus brutalen Online-Spielen sollen laut dem hessichen Innenminister von heute 3,4 Millionen auf 30 Millionen im Jahr 2009« steigen.

Als wirksame Schutzmaßnahmen gegen »virtuelle Killerspiele« sieht Innenminister Bouffier Filtermechanismen: «Mit geeigneten technischen Maßnahmen, beispielsweise durch elektronische Filter, muss sichergestellt werden, dass Minderjährige keinen Zugriff auf solche Spiele haben. Hier sind insbesondere die Provider gefordert, aber auch die Betreiber von so genannten Internet-Cafés.»

An dem Vorhaben, so genannte Killerspiele zu verbieten, gab es in der Vergangenheit nur vereinzelt Kritik. Florian Müller, der vor allem durch seine Lobbyarbeit gegen Softwarepatente bekannt geworden ist und selbst auch an der Entwicklung von Computerspielen beteiligt ist, sieht in seinem Blog-Eintrag noch die Möglichkeit, dass Spieler und Industrie eine Chance haben, eine Lösung zu finden. Diese bestehe «aber darin, dass sich insgesamt nur eine kleine Zahl von Politikern zu Wort gemeldet» habe, heißt es dort. «Wenn die Computerspielebranche mit Unterstützung ihrer Handelspartner und der Gamer-Szene es richtig anpacken würde, ließe sich vielleicht noch eine vernünftige Lösung erreichen. Die Verlautbarung der Unionsinnenminister war sicher ein Rückschlag, aber noch nicht das letzte Wort.» (Golem.de)