«Flickr»: Wachstum durch Mundpropaganda
09.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Im Jahr 2004 ging eine Website online, auf der Nutzer ihre privaten Fotos einstellen konnten. Eigentlich war «Flickr» zu diesem Zeitpunkt nichts besonderes, ähnliche Angebote gab es im Internet schon. Doch innerhalb weniger Monate entwickelte sich die Website zu der erfolgreichsten Foto-Community überhaupt. Inzwischen gibt es knapp drei Millionen Nutzer, die dort Photos einstellen.
Die elf Flickr-Entwickler zogen vom kanadischen Vancouver ins kalifornische Santa Clara und arbeiten nun bei Yahoo.
«Flickr war deshalb so erfolgreich, weil es so einfach ist, Fotos mit anderen zu teilen», sagte Co-Gründerin Caterina Fake der Netzeitung bei einem Gespräch im kalifornischen Santa Clara. «Ein wirklich essentieller Bestandteil von Flickr ist das soziale Netzwerk.»
Außerdem können Nutzer ihre Fotos bei «Flickr» mit Schlagwörtern versehen, so genannten Tags. So erhält man beispielsweise bei der Eingabe des englischen Begriffs «tree» mehr als 184.000 Fotos, die unter diesem Begriff abgelegt sind.
Schlagwörter sind keine neue Erfindung, für Netzwerke wie «Flickr» aber essentiell. Mit ihrer Hilfe werden Photo-Sammlungen zusammengestellt, die anders nie entstünden.
Ein Beispiel dafür, wie falsch man liegen kann, ist ein Besuch der Flickr-Macher beim Software-Hersteller Adobe, erzählt Fake. Dort habe man ihnen gesagt, Schlagwörter seien etwas, was niemand verwenden wolle. Nur ein Prozent der Adobe-Kunden nutze Schlagwörter. «Die haben damals einfach nicht verstanden, dass Schlagwörter in einem sozialen Netzwerk etwas völlig anderes sind», sagt Fake.
Das zahlte sich aus, im eigentlichen Sinn. Die Community war Yahoo geschätzte 40 Millionen Dollar wert. Fake und ihr Mann Stewart Butterfield verkauften die Firma, und die «Flickr»-Gemeinde wurde über Nacht zu Yahoo-Nutzern.
Dies war zugleich einer der Gründe, warum die «Flickr»-Gründer ihre Firma überhaupt an Yahoo verkauft haben. «Wir kamen einfach an den Punkt, wo wir viel Geld investieren mussten, um die Performance der Seite aufrecht zu erhalten», sagt Fake. «Wir brauchten also entweder Geldgeber oder ein Unternehmen wie Yahoo.»
Auch bei wichtigen Ereignissen gibt es inzwischen Photos bei «Flickr». Während der Hurrikan-Katastrophe in New Orleans oder den Bomben-Attentaten in London stellten hunderte Menschen ihre Photos ein und versahen sie mit entsprechenden Schlagwörtern.
Fake hat bei Yahoo zudem die Aufgabe, das Webportal zu «flickern», wie sie es ausdrückt. Viele Yahoo-Produkte sollen in den kommenden Jahren um Community-Elemente erweitert werden. Außerdem werde es womöglich auch neue Angebote geben, die auf sozialer Interaktion basieren, sagt Fake. Welche das sein könnten, will sie jedoch noch nicht sagen.

