netzeitung.de«Flickr»: Wachstum durch Mundpropaganda

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Caterina Fake im Gespräch mit der Netzeitung (Foto: Peter Schink<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Caterina Fake im Gespräch mit der Netzeitung
Foto: Peter Schink
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Foto-Community «Flickr» ist noch keine zwei Jahre alt und hat bereits mehr als drei Millionen Nutzer. Gründerin Caterina Fake sprach mit der Netzeitung darüber, was den Reiz der Website ausmacht.

Von Peter Schink, San Francisco

Im Jahr 2004 ging eine Website online, auf der Nutzer ihre privaten Fotos einstellen konnten. Eigentlich war «Flickr» zu diesem Zeitpunkt nichts besonderes, ähnliche Angebote gab es im Internet schon. Doch innerhalb weniger Monate entwickelte sich die Website zu der erfolgreichsten Foto-Community überhaupt. Inzwischen gibt es knapp drei Millionen Nutzer, die dort Photos einstellen.

«Flickr» war so erfolgreich, dass der Internet-Riese Yahoo auf das kleine kanadische Startup aufmerksam wurde. Im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen schließlich die Foto-Community – obwohl mit «Yahoo Photos» eigentlich schon ein Fotodienst auf dem Yahoo-Portal existierte und «Flickr» gerade einmal ein paar Monate online war.

Die elf Flickr-Entwickler zogen vom kanadischen Vancouver ins kalifornische Santa Clara und arbeiten nun bei Yahoo.

«Flickr war deshalb so erfolgreich, weil es so einfach ist, Fotos mit anderen zu teilen», sagte Co-Gründerin Caterina Fake der Netzeitung bei einem Gespräch im kalifornischen Santa Clara. «Ein wirklich essentieller Bestandteil von Flickr ist das soziale Netzwerk.»

Schlagwörter vernetzen Nutzer
Das Netzwerk entsteht dadurch, dass man jeweils Fotos mit Freunden teilen kann.
Außerdem können Nutzer ihre Fotos bei «Flickr» mit Schlagwörtern versehen, so genannten Tags. So erhält man beispielsweise bei der Eingabe des englischen Begriffs «tree» mehr als 184.000 Fotos, die unter diesem Begriff abgelegt sind.

Schlagwörter sind keine neue Erfindung, für Netzwerke wie «Flickr» aber essentiell. Mit ihrer Hilfe werden Photo-Sammlungen zusammengestellt, die anders nie entstünden.

Dabei gab es die Schlagwort-Funktion bei Flickr nicht von Beginn an. Erst durch Anfrage von Nutzern wurde es zwei Monate nach dem Start eingeführt. «Wir sind nach und nach gewachsen, dass war immer wichtig für Flickr», sagt Caterina Fake. «Andernfalls hätten wir bestimmt irgendetwas falsch gemacht und wir wären niemals so groß geworden.»

Ein Beispiel dafür, wie falsch man liegen kann, ist ein Besuch der Flickr-Macher beim Software-Hersteller Adobe, erzählt Fake. Dort habe man ihnen gesagt, Schlagwörter seien etwas, was niemand verwenden wolle. Nur ein Prozent der Adobe-Kunden nutze Schlagwörter. «Die haben damals einfach nicht verstanden, dass Schlagwörter in einem sozialen Netzwerk etwas völlig anderes sind», sagt Fake.

Die Community ist 40 Millionen Dollar wert
Sie selbst nutzt Flickr für ihr Blog «caterina.net», das es schon wesentlich länger gibt als «Flickr». Caterina Fake ist selbst Teil der Blogosphäre und damit sehr nahe an den Menschen, die den Service täglich nutzen.

Das zahlte sich aus, im eigentlichen Sinn. Die Community war Yahoo geschätzte 40 Millionen Dollar wert. Fake und ihr Mann Stewart Butterfield verkauften die Firma, und die «Flickr»-Gemeinde wurde über Nacht zu Yahoo-Nutzern.

Selbstständige Seite innerhalb von Yahoo
Trotzdem sieht die Flickr-Seite sieht immer noch aus wie immer, nur ganz unten auf der Seite prangt ein kleines Yahoo-Logo. Die Zurückhaltung der Muttergesellschaft hat Prinzip: Offensive Werbung für Flickr geb es bei Yahoo nicht. Die Community wächst allein durch Mundpropaganda unter Bloggern und Internet-Fans, und das immer noch rasant.

Dies war zugleich einer der Gründe, warum die «Flickr»-Gründer ihre Firma überhaupt an Yahoo verkauft haben. «Wir kamen einfach an den Punkt, wo wir viel Geld investieren mussten, um die Performance der Seite aufrecht zu erhalten», sagt Fake. «Wir brauchten also entweder Geldgeber oder ein Unternehmen wie Yahoo.»

Mehr als eine Photo-Website
Für Fake ist «Flickr» mehr als nur eine Online-Photo-Seite. Viele Menschen, so sagte sie der Netzeitung, würden die Seite als Kommunikationstool verwenden. Sie lassen Freunde und Verwandte am eigenen Leben teilhaben, indem sie ihre privaten Photos mit ihnen teilen.

Auch bei wichtigen Ereignissen gibt es inzwischen Photos bei «Flickr». Während der Hurrikan-Katastrophe in New Orleans oder den Bomben-Attentaten in London stellten hunderte Menschen ihre Photos ein und versahen sie mit entsprechenden Schlagwörtern.

Veränderungen bei Flickr
«Flickr» soll in den kommenden Monaten noch deutlich erweitert werden. Fake sagt, demnächst werde es zum Beispiel möglich sein, Photos einem Ort zuzuordnen. Dafür braucht man lediglich den entsprechenden Längen- und Breitengrad – oder zum Beispiel die Nummer der Funkzelle, in der man sich gerade mit seinem Fotohandy befindet.

Fake hat bei Yahoo zudem die Aufgabe, das Webportal zu «flickern», wie sie es ausdrückt. Viele Yahoo-Produkte sollen in den kommenden Jahren um Community-Elemente erweitert werden. Außerdem werde es womöglich auch neue Angebote geben, die auf sozialer Interaktion basieren, sagt Fake. Welche das sein könnten, will sie jedoch noch nicht sagen.