28.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Obdachloser findet ein Zuhause im Blog
Im Internet hatte ein Obdachloser nach Unterstützung gesucht und keine gefunden. Also entschloss er sich, selbst ein Blog für Wohnungslose zu eröffnen.
Vor einem Monat hat der arbeitslose 43-jährige Michael Brown sein Haus in Greensboro im US-Staat North Carolina gegen einen Wohnwagen eintauschen müssen. Doch der ehemalige Grafikdesigner wollte sich nicht mit seiner neuen Situation abfinden und suchte im Internet nach Hilfe. Da er dort jedoch nicht fündig wurde, entschloss er sich, selbst tätig zu werden.
Aus seiner Not heraus habe Brown den Blog «View from the Sidewalk» gegründet, um Menschen in seiner Situation eine Anlaufstelle zu bieten, berichtet die News-Site «News Record».
«Eine Art Therapie»Für Brown wurde der Blog, den er über den öffentlichen Internetzugang der städtischen Bibliothek ins Leben rief, ein Ort, an dem er über seine eigenen Situation reflektieren konnte. Er schreibt dort über die täglichen Beschwerlichkeiten, seine Schuldgefühle und seine Depressionen. Für ihn, meint Brown, sei das Bloggen eine Art Therapie.
Mit seinem Blog aus der Perspektive eines Obdachlosen hat Brown Pionierarbeit geleistet. Bisher gibt es nur wenige Blogs, die sich mit dem Leben auf der Straße beschäftigen. Die meisten Blogs zu diesem Thema sind aus der Sicht der Helfenden und nicht von Betroffenen selbst geschrieben.
Wertvolle KritikIn seinem Online-Tagebuch schildert Brown auch die Probleme, die er im Umgang mit den Behörden hat und rückt so die Missstände des Sozialwesens der USA in den Vordergrund. Seine Worte seien eine wertvolle Kritik an den Einrichtungen für Obdachlose der Region, meinte Michele Forrest, Bloggerin und Mitglied einer lokal ansässigen Vereinigung zur Vorbeugung von Obdachlosigkeit. Es gäbe zwar viele offizielle Stellen, die das Problem diskutierten. Letzlich sei jedoch der Einsatz der Obdachlosen selbst von entscheidender Bedeutung.(nz)