netzeitung.deAufrufe zur Besonnenheit im Karikaturenstreit

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Memri-Website (Foto: Memri.de<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Ein Großteil der arabischen Presse empört sich laut im Karrikaturenstreit. Im Internet gibt es auch leise Gegenstimmen von Muslimen, die die Wut ihrer Glaubensbrüder nicht teilen.

Die gesamte arabische Presselandschaft ist über die karrikaturistische Darstellung des Propheten Mohammed empört. Die gesamte Presse? Nein! Im Internet gibt es auch einige kaum hörbare Gegenstimmen.

Das Middle East Media Research Institute (Memri) verschafft auf seinen Internetseiten einen Überblick über die arabische Zeitungs- und Fernsehlandschaft und hat ein Büro in Berlin, dass arabische Zeitungsartikel für das deutschsprachige Publikum aufbereitet. Dort sind auch die nachdenklichen Stimmen zum Karrikaturenstreit zu hören.

Hauptverursacher der Diffamierung sind Muslime selbst
Auf der bekannten liberalen Website «Elaph» beispielsweise fordert der Autor Baha Al-Musawi, nicht die dänische Regierung solle sich entschuldigen, sondern die Muslime, denn es seien die Araber und Muslime selbst, die der Hauptverursacher für die Diffamierung ihrer Religion und des Bilds von Muhammad sind und er fragt, warum es keine Demonstration gegen die Morde an Unschuldigen gibt, die durch Terroristen wie Bin Laden, Zarqawi und Zawahiri tagtäglich begangen werden: «Warum sind wir da nicht so wütend wie wir es jetzt im Kampf gegen Dänemark sind, und unternehmen das gleiche wegen dieser islamischen Gruppierungen, die Frauen abschlachten und foltern und sich in vielen Ländern der Welt inmitten von Unschuldigen in die Luft sprengen?»

Leiden am Totalitarismus
Auch andere rufen zur Besonnenheit auf - so etwa ein Kommentar von Ahmed Al-Rabei, der auf Englisch in der saudischen Tageszeitung «Al-Sharq Al-Awsat» erschien. Darin kritisierte Al-Rabei die «unangemessenen Reaktionen», mit denen der Prophet «vermeintlich» verteidigt werden solle.

So dürften nicht alle Dänen für die Tat eines einzelnen haftbar gemacht werden: «In der arabischen Welt», so Al-Rabei laut Memri, «leiden wir an Totalitarismus und der Neigung zur Verallgemeinerung. Deshalb können einige offenbar nicht begreifen, dass nicht alles, was irgendein Verrückter geschrieben oder gezeichnet hat, die Haltung einer gesamten Nation wiedergibt. Auch sind sich offenbar viele nicht darüber bewusst, dass der dänische Premierminister entlassen werden kann, wenn er diktieren will, was eine Zeitung veröffentlichen darf und was nicht.»

Kein Bilderverbot im Koran
Im weiteren kritisiert der Kolumnist von «Al-Sharq Al-Awsat» auch den populären islamistischen Prediger Yussuf Al-Qaradawi, der erklärt hatte, zur Verteidigung des Propheten müsste nicht nur Dänemark, sondern die ganze Welt boykottiert werden. Eine weitere Stimme weist darauf hin, dass es im Koran kein Bilderverbot gebe.

Konzentration auf das Wesentliche
Mutiger und freier noch äußern sich andere Muslime in ihren Weblogs, in denen laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» schon mal der Ruf nach mehr Demokratie und Reformen laut wird. Demnach äußerte ein Khalaf aus Jordanien unter ajloun.blogspot.com als Reaktion auf die Festnahme der Chefredakteure der Zeitungen, die die dänischen Karrikaturen abdruckten: «Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: Die jordanische Regierung scheint die Chance genutzt zu haben, um zu zeigen, daß Einschränkungen der Pressefreiheit gerechtfertigt sind.» Ein Syrer fühlt sich im «damasceneblog» durch den Sturm auf die Botschaften nicht repräsentiert und würde sich gerne bei den Dänen und Norwegern entschuldigen, während ein marrokanischer Samir in seinem Blog «riadzany.blogspot» sieht, wie die brennnenden Botschaften den Islamophoben direkt in die Hände spielen.

Und ein Bahreiner forderte unter chanad.weblogs.us den Anti-Boykott von Lego und meint: «Wir sollten unsere Anstrengungen lieber auf die Verbesserung unserer Erziehung richten, die wirtschaftliche Infrastruktur, den Schutz der Menschenrechte und soziale Gleichheit zu Hause, anstatt den Dschihad gegen dänische Cartoons zu führen.» (nz)