netzeitung.deSoftware überwindet digitale Mauern

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Internet-Café in China (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Internet-Café in China
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine neue Software macht den freien Informationsfluss möglich. Die Entwickler verstehen sich als Kämpfer gegen die Internetzensur.

Während die weltgrößte Suchmaschine Google sich der chinesischen Internetzensur beugt, findet die Universität von Toronto einen Weg, die chinesische Zensurmauer zu überwinden. Mit dem neuen System können Internet-Nutzer in demokratischen westlichen Ländern denjenigen helfen, deren Regierung mit einer Firewall versucht, das Recht der freien Meinungsäußerung zu untergraben.

Die Software namens «Psiphon» überwindet die zensierenden Filter-Programme, indem dem User, sollte er von der Regierung überprüft werden, nicht nachgewiesen werden kann, welche Seiten er angesurft hat. Das System hinterlässt keinerlei Spuren, da es den überwachten Computernutzern die Möglichkeit gibt, verschlüsselte Informationsanfragen an nicht überwachte Rechner zu schicken. Dafür ist ein Ansprechpartner in einem demokratischen Land notwendig, der Passwort und Usernamen zur Verfügung stellt.

Freunde im Netz
Dadurch entsteht eine Art Partnerschaft zwischen den Nutzern in den unterschiedlichen Ländern. Der «freie» Rechner findet die Informationen und sendet sie ebenfalls verschlüsselt wieder zurück. Sollte der geheime Nutzer illegales Material ansurfen, kann der Zugang wiederum beschränkt werden auf beispielsweise nur Text, notfalls kann dem offiziellen Nutzer aber auch durch eine forensische Analyse seine Unschuld nachgewiesen werden.
Informationen fließen wie Geld
Besonders gewitzt ist, dass das System den Datenfluss über den Computer Port 443 auf die Rechner leitet, der weltweit für den Geldtransfer genutzt wird. «Solange ein Land nicht den kompletten Finanzfluss einstellen möchte, können sie nichts gegen unser System unternehmen», sagt Professor Ronald Deibert, Leiter des «Citizen Lab» - Projekts der Universität Toronto.

Deibert und sein Team arbeiten daran, ihre Software auf dem internationalen PEN-Kongress zur freien Meinungsäußerung im Mai vorstellen zu können. Danach soll «Psiphon» als erster kanadischer «Hacktivismus»-Vorstoß der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (nz)