30.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der 100-Dollar-Laptop
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Microsoft-Technikchef Craig Mundie hält nichts vom 100-Dollar-Laptop: Das groß angelegte Projekt eigne sich nicht für Entwicklungsländer. Besser sei ein Handy mit Internet-Zugang.
Es ist das bislang größte Projekte seiner Art: Millionen von billigen Computern sollen künftig in die Entwicklungsländer geliefert werden, damit die Jugend dort gegenüber dem Westen aufholen kann. Das so genannte 100-Dollar-Laptop-Projekt des MIT-Forschers Nicholas Negroponte stößt im allgemeinen auf positive Resonanz.
Streit um SoftwareAllerdings nicht beim Softwareriesen Microsoft. Wie dessen Technikchef Craig Mundie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos der «New York Times» sagte, hält der Konzern ein Internet-fähiges Handy für sinnvoller. Microsoft kam ebenso wie der Konkurrent Apple bei der Software-Versorgung des 100-Dollar-Laptops trotz entsprechender Angebote nicht zum Zuge - Negroponte setzt auf Linux. Dass diese Tatsache zu Microsofts ablehnender Haltung gegenüber dem Projekt führte, wollte Mundie allerdings nicht bestätigen.
«Ich finde toll, was Nicholas zu tun versucht», so Mundie. Er habe aber «viele Probleme» mit der Durchführbarkeit des Ansatzes. Ein Microsoft-Internet-Handy für die Dritte Welt sei eine bessere Lösung. Um es in einen vollwertigen PC zu verwandeln, könne man ja eine Tastatur und einen billigen Fernsehadapter anschließen - was das Gerät allerdings an Heimcomputer aus den Achtzigern gemahnen lassen würde. Laut Mundie glaubt auch Bill Gates nicht an das Projekt, dabei setzt sich dieser massiv für Gesuchtheitsprojekte in der dritten Welt ein.
Langsames InternetEin Prototyp des Billig-Handys soll bereits existieren - zumindest zeigte Bill Gates auf der Computer- und Unterhaltungsindustrie-Messe CES, wie es aussehen könnte. Unklar ist bislang, wie ein solches Gerät Zugang zum Internet finden soll - die Verwendung von Handy-Netzen in der Dritten Welt wäre langsam und teuer. Das 100-Dollar-Laptop-Projekt setzt hingegen auf einen verteilten Zugang per WLAN-Funk.
Microsoft zufolge existiert bislang noch kein Zeitplan für das Billig-Handy. Auch ist unklar, wer es für Microsoft bauen würde, Negropontes 100-Dollar-Laptop-Projekt steht dessen Angaben zufolge kurz davor, Verträge über 700 Millionen Dollar aus sieben Nationen abzuschließen, die das Gerät kaufen wollen.