27.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Wolfgang Sander-Beuermann
Foto: SuMa e.V.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Quaero» soll die europäische Antwort auf Google heißen. Suchmaschinen-Experte Sander-Beuermann sagte der Netzeitung, bislang habe Europa das Thema «völlig verschlafen».
Die französische und deutsche Regierung suchen derzeit gemeinsam nach Wegen für eine europäische Suchmaschine. In Berlin und Paris gibt es Vorgespräche zu «Quaero», mit der man den Vorsprung von Google, Yahoo und MSN aufholen will.
Suchmaschinen-Experte Wolfgang Sander-Beuermann von der Universität Hannover, sagte der Netzeitung, das Projekt sei die «einzige und letzte Chance» für Europa, dem Monopol der US-Konzerne bei den Suchtechnologien entgegenzusetzen. Er halte es für gefährlich, wenn das weltweite Wissen maßgeblich von Firmen in den USA zugänglich gemacht werde.
«Offenbar einige Leute aufgewacht»Dass sich die französische und deutsche Regierung nun um eine eigene Suchtechnik bemühen sei ein «Lichtblick», sagte Sander-Beuermann, der zugleich Gründer und Geschäftsführer des «Vereins zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs» (SuMa) ist. Er habe in den vergangenen Jahren vielfach erfolglos mit Entscheidungsträgern über die Problematik gesprochen. «Jetzt sind offenbar einige Leute aufgewacht», sagt er.
Sander-Beuermann veranschlagt für das europäische Projekt eine Entwicklungszeit von mehreren Jahren - sofern genug Geld zur Verfügung gestellt wird. Es fehle zum Beispiel an Erfahrung mit verteilter Suchmaschinen-Software auf zehntausenden von Rechnern. «Das können in Deutschland und Europa derzeit weder Großkonzerne noch Forschungseinrichtungen», sagt er.
«Es fehlt an Erfahrung»Der Suchmaschinen-Experte geht davon aus, dass das Suchmaschinenprojekt nur realisiert werden kann, wenn Regierung, Unternehmen und Experten der Universitäten zusammenarbeiten. Die deutsche Industrie ist bislang noch zurückhaltend. «Letztlich fehlt den Konzernen hier an Erfahrung bei dem Thema», sagt Sander-Beuermann.
Vorbild für das europäische Projekt könne Japan sein, wo Unternehmen und Universitäten bereits gemeinsam an einer Suchmaschine arbeiten. Auch in China gebe es eine komplett eigene Technologie mit der Suchmaschine «baidu.com». «In Asien ist man etwas eher aufgewacht», sagte er.
Ob es jemals eine europäische Suchmaschine geben wird, ist nach Einschätzung von Sander-Beuermann noch völlig offen: «Es ist vier nach zwölf. Wenn wir jetzt nicht anfangen, können wir die USA nicht mehr einholen, und Fernost ebenso wenig. Es ist die letzte Chance, alle vorhandenen Kräfte auf diesem Gebiet zu bündeln.»