«Es gibt wenig kaufenswerte Blogs»
Netzeitung:Wie hast Du mit dem Bloggen angefangen?
Heiko Hebig: Ich habe für eine Firma gearbeitet, die Content Managment Systeme verkauft hat. Dort habe ich lange Zeit einen Newsletter verschickt, den viele Leute gerne gelesen haben. Daraus entstand dann das Weblog...
Hebig: Weil ich für eine schwedische Firma gearbeitet habe, mit Leuten aus aller Welt. Der Newsletter war auf englisch, also war das irgendwie logisch. Inzwischen schreibe ich einige Sachen auch auf deutsch.
Netzeitung:Aus welchem Grund bloggst Du auf einer «.com»-Domain?
Hebig: Als ich das Blog angefangen habe, musste man für eine «.de»-Domain noch ein Fax ausfüllen. Das war alles noch recht kompliziert. Inzwischen habe ich auch eine deutsche Domain, aber die nutze ich nicht.
Netzeitung:Wie viele Menschen lesen Dein Blog heute?
Hebig: Ich schätze mal, ich habe so etwa 20.000 Leser im Monat. Aber die kommen eben nicht nur aus Deutschland.
Netzeitung:Du bist einer der wenigen deutschen Blogger, die auch Geld damit verdienen, du arbeitest seit 2004 für den Blogger-Service Six Apart. Wie kam es dazu?
Hebig: Ja, ich kannte Luïc le Meur. Er kam nach Hamburg, weil der den US-Dienst in Europa aufziehen wollte. Er hat mich dann irgendwann gefragt, ob ich Six Apart in Deutschland machen will. Ich habe ihm erst jemand anderen vorgeschlagen, weil ich eigentlich gerade einen tollen Job hatte. Aber er sagte, «eigentlich würde ich Dich ganz gerne dafür haben».
Netzeitung:Wie wird die deutsche Blog-Landschaft in fünf Jahren aussehen?
Hebig: Die Nutzerzahlen steigen rasant, aber im Vergleich zu anderen Ländern auf einem sehr niedrigen Niveau. Bald werden mehr Leute wissen, was ein Weblog ist. Viele Teenager werden bloggen, die nutzen das schon jetzt vor allem zur Vernetzung untereinander. Auch ältere Menschen und damit meine ich Leute ab 35 Jahren werden noch viel mehr bloggen. Bald wird jeder, also sozusagen «das dumme Volk», sagen was es meint. Das finde ich toll.
Da kann man natürlich fragen, «wer will das alles lesen». Aber darum geht es überhaupt nicht. Viele wollen sogar nur mit einer kleinen Gruppe kommunizeren und haben daran Spaß. Gut ist aber, dass das alles eben auch von anderen gelesen werden kann man kann sich mit neuen Leuten vernetzen und Neues kennenlernen.
Netzeitung:Leben Blogger bislang mit ihren Themen eigentlich in ihrem eigenen Mikrokosmos?
Hebig: Oft wird den Bloggern ja vorgeworfen, sie unterhalten sich über irgendwas, was sonst kaum jemand interessiert. Aber jetzt fangen langsam selbst renommierte Verlage an, sich mit Blogs und Themen wie «RSS» zu beschäftigen. Aber klar, wir sind schon ziemlich weit voraus. Das muss man für sich selbst auch einordnen können.
Netzeitung:RSS ist vielleicht ein gutes Beispiel. Wird eine Technik wie RSS sich auch außerhalb der Blogger-Szene durchsetzen?
Hebig: Auf jeden Fall wird RSS tief in das neue Windows-Betriebssystem integriert. Und jemand wie Microsoft kann es schaffen, RSS in den Massenmarkt hineinzudrücken. Meine Mutter wird aber auch weiterhin kein RSS nutzen, sondern nur hin und wieder auf meine Website sehen. Allerdings kommt es einfach auf die Qualität der Tools an: Wenn es einen guten und einfach RSS-Reader für Handys gibt, werden vielleicht mehr Leute anfangen, die Technik zu nutzen.
Netzeitung:Worin liegt eigentlich der Reiz beim Bloggen?
Hebig: Für mich sind besonders die Kommentare in meinem Blog wertvoll. Oder wenn andere wieder über mich schreiben. Wenn man Feedback bekommt, gutes oder schlechtes, das ist spannend. Das möchte ich nicht mehr missen. Das habe ich übrigens auch meinem neuen Arbeitgeber, dem Burda-Verlag, angekündigt ich möchte trotz meines neuen Jobs weiter bloggen. Ich sammle so auch Informationen.
Netzeitung:Und was haben die dazu gesagt?
Hebig: Das war kein Problem. Aber das wollte ich für mich auf jeden Fall sicher stellen.
Netzeitung:Hat der Burda-Verlag eigentlich Nachholbedarf beim Thema Internet?
Hebig: Aus dem Stegreif kann ich das nur schwer sagen. Die machen schon sehr viel, und haben auch eigene Blogs. Aber bislang werden die Inhalte von Burda primär über Print-Produkte präsentiert. Um so mehr Internet in unseren Alltag vordringt, kann man dort auch Inhalte bringen. Das ist für einen Verlag wie Burda zugleich eine Chance wie auch eine Gefahr. Es gibt zum Beispiel schon Möglichkeiten, Schnittmuster digital zu personalisieren, zum Beispiel auf die jeweilige Größe. Es gibt viele interessante Ansätze.
Ein anderer großer Trend sind Mashups, die Google Maps populär gemacht hat. Es ist sehr interessant, Inhalte zur Verfügung zu stellen, mit denen andere dann wieder neue Dinge bauen können. Und Burda hat die Inhalte sowieso. Da helfen auch neue Lizenzmodelle wie zum Beispiel die «Creative Commons».
Netzeitung:Und trotzdem muss Burda auch im Internet Geld verdienen.
Hebig: Absolut. Da habe ich auch nicht die letzte Antwort. Der Antrieb der Verlagshäuser ist natürlich, dass sie davon ausgehen, dass sich im Internet Geld verdienen lässt.
Netzeitung:Werden wir es erleben, dass ein Verlag wie Burda einmal Weblogs aufkauft?
Hebig: Wer weiß. Aber die Blogs hierzulande stecken wirklich noch in den Startlöchern. Sowas hängt natürlich von den Kosten ab, und davon, welche Nische man bedient. Es gibt aber in Deutschland bis jetzt wenig kaufenswerte Blogs. Vielleicht begebe ich mich jetzt auf dünnes Eis: Womöglich ist es immer noch einfacher, ein eigenes gutes Blog zu starten.
Das Interview mit Heiko Hebig führte Peter Schink in München.

