Microsoft zensiert chinesischen Dissidenten
04.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Microsoft soll das Blog eines bekannten chinesischen Dissidenten abgeschaltet haben. Blogger beschuldigen MSN, lediglich um das eigene Wohl besorgt zu sein.
Die Microsoft-Tochter MSN hat offenbar ein Weblog eines chinesischen Dissidenten abgeschaltet. Rebecca MacKinnon beschuldigt das Unternehmen, das Blog von Zhao Jing, besser bekannt unter seinem Pseudonym Michael Anti, an Silvester ohne Vorwarnung aus dem Netz genommen zu haben.
Dessen Account beim Blogging-Service «MSN Spaces» ist tatsächlich nicht mehr aktiv. Zhao hatte darin mehrfach kritisch über die chinesische Regierung geschrieben.
Ob MSN das Blog allerdings von sich aus abschaltete, oder ob dies auf Anweisung der chinesischen Behörden passierte, ist unklar. MacKinnon, die sich selbst mehrfach in China mit Bloggern getroffen hat, beschuldigt das Unternehmen, deren Internet-Einträge zu zensieren, um das eigene Geschäft nicht zu gefährden.
Microsoft-Blogger kritisiert MSNDer ebenfalls renommierte amerikanische Blogger und Microsoft-Chefentwickler Robert Scoble hat sich dem Thema inzwischen ebenfalls angenommen. Er schreibt, die Sache beschäme ihn auch als Microsoft-Angestellten. Zhao lud er spontan ein, in seinem eigenen Blog «Scobleizer» zu schreiben.
Scoble hat nach eigenen Angaben bei den Kollegen von MSN wegen der Abschaltung von Zhaos Blog interveniert. Bei der US-Filiale habe er aber lediglich die Antwort erhalten, man wisse von dem Sachverhalt noch nichts.
Zhao zieht umZhao ist inzwischen umgezogen: Er betreibt sein Blog seit dem gestrigen Dienstag bei dem amerikanischen Blogging-Service Blog City.
Erst vor wenigen Monaten war bekannt geworden, dass der chinesische MSN-Ableger in sein Blogging-System eine eigene Zensur eingebaut hat. Wenn ein Blogger in China Begriffe «Tibet» oder «Falun Gong» eingibt, erscheint eine Fehlermeldung.