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«Plazes» verbindet Orte mit Menschen

02. Jan 2006 08:33
Plazes
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Im Internet gibt es inzwischen viele so genannte Web-2.0-Anwendungen, die auf der Interaktion ihrer Nutzer aufbauen. Meist werden sie in den USA entwickelt, mit einigen Ausnahmen: «Plazes» zum Beispiel.

Von Peter Schink

Felix Petersen sagt, er sei doch ein wenig stolz. «Plazes» sei wohl die einzige große Web-2.0-Anwendung, die in Deutschland entwickelt worden sei. Das Projekt ist schnell beschrieben: Die Website verbindet Orte mit Menschen. Doch das Wort «Web 2.0» bedarf einer Erklärung.

Unter dem Begriff wird unter Eingeweihten die Weiterentwicklung des Internet von einem Konsummedium hin zu einer Plattform verstanden, auf der sich Menschen treffen und gemeinsam Inhalte erstellen. Dazu gehören Link-Sammlungen wie «del.icio.us», Photosammlungen wie «Flickr» oder auch die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Nach diesem Prinzip funktioniert auch «Plazes».

Mehr im Internet:
Wer sich dort anmeldet, kann einen neuen Ort anlegen und anderen Nutzern mitteilen, wo er sich befindet. Anschließend kann jeder sehen, wer in der Umgebung online ist. Die «Plazes» können benannt und zum Beispiel mit Bildern verknüpft werden. So entsteht nach und nach ein soziales Netzwerk von Menschen, das ortsunabhängige Internet erhält eine lokale Komponente.

Mundpropanda per Internet

Die Geschichte von «Plazes» erinnert an die Boom-Zeit der New Economy. Im Jahr 2004 arbeitete Petersen zusammen mit seinem Partner Stefan Kellner bei der Internetagentur «Antwerpes». Beide wollten «etwas eigenes machen», wie der 29-jährige Petersen heute sagt. Schnell hatten die beiden die Idee zu «Plazes».

Zunächst setzten sie sich in ihrer Freizeit an den Computer und programmierten nebenberuflich an der Website. Im Winter 2004 ging «Plazes» online und zunächst vor allem über Weblogs verbreitet - weil Mundpropaganda im Internet sehr gut funktioniert.

Felix Petersen
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Eine Finanzierung gab es zunächst nicht. «Wir haben schon frühzeitig mal nach Investoren Ausschau gehalten», sagt Petersen. Die aber hätten nur den Gewinn im Kopf gehabt. Wichtig sei beiden gewesen, erst mal «unser eigenes Ding» zu machen. «Wenn man visionäre Applikationen bauen will, braucht man Zeit und Unabhängigkeit», sagt er.

Nur mit Breitbandanschluss

Nach einem Jahr gibt es nun mehr als 17.000 «Plazes» in der Datenbank, zwischen 200 und 300 Nutzer sind jeden Tag zeitgleich in dem System angemeldet. Und das, obwohl der Service nur mit Breitbandanschlüssen, nicht mit Modem funktioniert.

Vielleicht auch deshalb ist die Website auch nach einem Jahr immer noch in der Beta-Phase, also im Aufbau. Das machen viele Websites im «Web 2.0» so, auch weil es schick und neu klingt.

«Die Leute bauen Orte»

«Plazes» setzt zudem voraus, dass die Menschen überhaupt im Internet gefunden werden wollen. Das ist ungewöhnlich, weil die Anonymität im Internet bislang eher selbstverständlich ist. Nutzer der Website sind deshalb bislang vor allem Blogger und Internet-Nerds, die solche Dienste grundsätzlich zuerst entdecken und nutzen.

«Die Leute sind aber nicht einfach online, sie bauen Orte», sagt Petersen. «Spannend ist, dass die Website wird eigentlich von den Nutzern gebaut wird.» Inzwischen hat sich eine regelrechte Community entwickelt, die immer mehr neue Inhalte einstellt. Viele Programmierer haben Erweiterungen programmiert, für die Petersen und Kellner die Schnittstellen zur Verfügung stellen.

Lokalisierung per Handy

Inzwischen wächst «Plazes» über seine eigenen Grenzen hinaus: Mehr als die Hälfte der Nutzer kommt aus den USA, Anfang des kommenden Jahres soll die Lokalisierung auch auf Handys ausgeweitet werden. Über die Kennung von Funkmasten sollen Leute dann Orte auch per Handy anlegen und editieren können, kündigt Petersen an. Dann lässt sich auch anzeigen, wenn ein Nutzer mit der S-Bahn von einer Funkzelle zur nächsten fährt.

Mit solchen und ähnlichen Erweiterungen wollen die beiden Firmengründer im kommenden Jahr mehr Nutzer erreichen. Um nicht mehr elitär zu sein, wie Petersen sagt.

«Etwas sehr Schlaues machen»

Wie die meisten der neuen Webservices ist auch «Plazes» bislang völlig kostenlos und soll es auch bleiben. Stattdessen wollen die beiden Entwickler in Zukunft mit ortsbezogener Werbung Geld verdienen. Zugleich aber wolle man niemand mit sinnloser Hotelwerbung belästigen, so Petersen. «Wir werden etwas sehr Schlaues machen», sagt er, ohne Näheres zu verraten. Irgendwann im Laufe des kommenden Jahres soll es soweit sein.

Finanziert wird das Projekt bislang von einem Konsortium. Wer das ist, will Petersen nicht verraten. Das sei jemand, der die Idee gut finde - aber nicht die CIA, wie er sofort hinterher schiebt.

Gerüchte über eine Verbindung zum US-Geheimdienst gab es bereits unter Bloggern. Tatsächlich wäre eine Datenbank wie «Plazes» für die Nachrichtendienste interessant, lassen sich so doch die Aufenthaltsorte vieler Nutzer nachverfolgen. «Mit denen wollen wir aber nichts zu tun haben», sagt Petersen. Deshalb wurde die «Plazes»-Datenbank und der Firmensitz bereits in die Schweiz verlagert - um vor dem Zugriff der Geheimdienste sicher zu sein.

Kaum Sicherheitsbedenken

Das klingt nach Spionage-Film, doch abwegig sind solche Überlegungen nicht. Zumal bei «Plazes» Vertrauen eine große Rolle spielt - immerhin werden dort viele sensible Daten gesammelt. Hätte sich das CIA-Gerücht gehalten, hätte bald niemand mehr «Plazes» benutzt.

Sicherheitsbedenken gibt es unter den Nutzern bislang aber kaum, sagt Petersen. Im Gegenteil, diese hätten sogar eine Erweiterung eingefordert, mit der man auch nachvollziehen kann, an welchen Orten sie sich schon aufgehalten haben. Die lässt sich aber auf Wunsch auch abschalten.

«Wie Legosteine»

Inzwischen kann man mit «Plazes» noch viel mehr machen. Blogger können das Tool auf ihrer Seite einbauen, die Bilder auf Flickr kann man mit der Website verknüpfen. Die Orte lassen sich auf Google-Karten einblenden.

«Plazes» soll eine Plattform werden, die mit vielen anderen Websites zusammen funktioniert, mit anderen bereits existierenden Applikationen. «Web-2.0-Dienste funktionieren wie Legosteine», sagt Petersen.

Und was, wenn Yahoo oder Google demnächst mit einem Kaufangebot vor der Tür steht? «Letztlich interessiert uns das im Moment nicht», so Petersen. Man könne den Service noch umfangreich erweitern, ohne das Kapital eines Großunternehmens. «Wir werden die Entwicklung in Berlin machen, weil wir hier viele super-gute Leute kennen, mit denen wir gerne zusammenarbeiten.» Zudem seien Büroräume und Programmierer hier billiger als in den USA. «Die sind noch nicht so versaut von Google und Yahoo wie die Amerikaner», sagt Petersen.

 
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