netzeitung.deThüringer verdienten 700.000 Euro mit Raubkopien

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In Deutschland läuft derzeit das größte Ermittlungsverfahren wegen Internetpiraterie. Rund 700.000 Euro sollen die Verdächtigen mit Raubkopien verdient haben.

Wegen Internet-Piraterie hat die Staatsanwaltschaft Mühlhausen (Thüringen) Anklage gegen vier Männer erhoben. Sie werden beschuldigt, von Juni 2003 bis September 2004 illegale Kopien von Filmen, PC-Spielen und Computerprogrammen für rund 700.000 Euro verkauft zu haben, teilte ein Sprecher am Dienstag mit.

Parallel dazu wird gegen den Großteil der 15.000 Kunden ermittelt. Etwa 6500 Verfahren seien zur Prüfung an die Landeskriminalämter abgegeben worden.

Laut Anklage hatten zwei 31 und 21 Jahre alte Brüder aus Südthüringen illegale Filmkopien und andere Computerprogramme von Hackern bezogen. Um die «heiße Ware» zu vertreiben, gründeten die beiden eine Firma auf den britischen Virgin Islands. Bis zum Verkauf wurde das Diebesgut auf ausländischen Servern in den USA und später auch in den Niederlanden und Tschechien zwischengelagert. Von dort aus hatten Kunden die Möglichkeit das gewünschte Material gegen Bezahlung abzurufen.

Auch Pornos wurden verkauft
Im Angebot hatte das thüringische Brüderpaar rund 330 Filmtitel, darunter auch einige Porno-Streifen, MP3-Audiodateien, PC-Spiele und Computerprogramme. Wegen der Verletzung von Urheberechten sowie der Verbreitung pornografischer Schriften drohen den Angeklagten Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Einer der Verdächtigen war bereits vor zwei Jahren wegen Verbreitung von Raubkopien zu sozialer Arbeit verurteilt worden.

Mitangeklagt ist ein Anwalt aus Bayern, der Server angemietet und Rechnungen ausgestellt haben soll. Ein weiterer junger Mann, der mit der technischen Wartung vertraut war, muss sich wegen Beihilfe verantworten.

Fachhochschule kurzzeitig unter Verdacht
Aufgeflogen ist das Geschäft im September 2004, nachdem die Polizei auf anonyme Hinweise hin mehrere Wohnungen in Thüringen und Bayern durchsuchte. Die Beamten stellten Geld und Gegenstände sicher, insgesamt mehr als 700.000 Euro. Bis auf den Anwalt legten die Beschuldigten bereits Teilgeständnisse ab.

Während der Ermittlungsaktion geriet kurzzeitig auch die Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel ins Visier der Fahnder. Mit Hilfe eines russischen Programmierers hatten die Internetpiraten mehrere Programme auf dem Hochschulrechner installiert, um damit die Nachforschungen auf eine falsche Fährte zu locken.(nz)