06.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Jimmy Wales
Foto: wikipedia.org
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei Wikipedia kann nicht mehr jeder Beiträge anlegen. Der Gründer der Online-Enzyklopädie hat nach mehreren peinlichen Fehlern die Regeln geändert.
Da die frei zugängliche Online-Enzyklopädie Wikipedia immer öfter wegen Fehlern kritisiert worden ist, hat Gründer Jimmy Wales jetzt die Regeln geändert. Seit Montag können anonyme Nutzer Artikel nur noch ändern, aber keine neuen Artikel mehr anlegen.
Wales reagiert damit scheinbar auf einen «Rufmord» in der englischsprachigen Ausgabe der Online-Enzyklopädie. Der US-Journalist John Seigenthaler hatte kritisiert, in seiner Biographie auf Wikipedia sei er als Verdächtiger im Mordfall von US-Präsident John F. Kennedy hingestellt worden.
In Deutschland hatte es ähnliche Fälle gegeben. Zuletzt hatte die FDP bemängelt, dass ein Artikel über ihren Generalsekretär Dirk Niebel zu einseitig geschrieben sei. Außerdem war bekannt geworden, dass Autoren Artikel aus DDR-Lexika ohne Quellenangabe übernommen hatten.
Wales hatte bislang immer maximale Offenheit für die Wikipedia gefordert. Zugleich hatte er aber auch immer betont, er wolle auf Probleme reagieren - sobald sie entstehen. Gerade auf die anonymen Nutzer hatte Wales aber immer besonderen Wert gelegt - weil diese viele Anregungen in die Online-Enzyklopädie einbringen.
«Weniger schrottige Seiten»Oberstes Prinzip der Wikipedia ist die Neutralität und ihre Qualität, die Wales nun gefährdet sah. In einer Mail an die Wikipedia-Nutzer schrieb er am Montag, er hoffe, dass nun «weniger schrottige Seiten» in die Enzyklopädie eingestellt werden und die wenigen verbleibenden leichter zu identifizieren seien.
Zugleich regte er an, die Wikipedia statistisch besser zu erfassen. Er wisse bislang nicht einmal, so Wales, wie viele anonyme Nutzer Änderungen an der Wikipedia vornehmen. Unbekannt sei auch, wie viele Artikel überhaupt nicht gelesen würden - und deshalb lange Zeit unbeobachtet minderwertig bleiben könnten. (nz)