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Iraner bloggen gegen die Regierung

30. Nov 2005 13:55
Iranisches Blog - aus Toronto
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Tausende Iraner kritisieren inzwischen im Internet die eigene Regierung. Viele von ihnen leben im Iran - und müssen dort Zensur und Repressionen fürchten.

Wie viele iranische Blogger es gibt, ist kaum abzuschätzen. Etwa 100.000 sollen es weltweit sein, viele leben im Iran. Ihr wichtigstes Thema: Die iranische Regierung, deren Repressionen gegen Meinungsfreiheit und Opposition.

Mehr in der Netzeitung:
Weil die meisten unabhängigen Zeitungen im Iran inzwischen geschlossen wurden, haben sich die Blogs zu einer der wichtigsten Informationsquellen für die Opposition etabliert. Die iranische Bloggerin Saena schrieb erst kürzlich: «Blogs sind eine Waffe, die noch nicht einmal die islamische Republik bekämpfen kann.»

Meist auf englisch

Die Blogs sind meist englisch geschrieben, weil die Blogger auf die Situation im Irna aufmerksam machen wollen. Danach liegen Persisch und Französisch nahezu gleichauf. Eines der wichtigsten Blogs wird von Hossein Derakhshan geschrieben, der inzwischen im kanadischen Toronto lebt. Er gilt vielen als «Vater» der iranischen Blogs.

Mehr im Internet:
Die iranische Regierung bekämpft sie inzwischen massiv, mehrere Blogger wurden bereits verhaftet. Erst im Oktober wurde in Teheran der Blogger Omid Sheikhan zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 124 Peitschenhieben verurteilt. Er hatte in seinem Blog satirische Cartoons über die Regierung veröffentlicht.

1500 Internet-Cafés

Vorteil der Blogger ist, dass es allein in Teheran etwa 1500 Internet-Cafés gibt. Diese zu überwachen, ist für die iranische Regierung nahezu unmöglich. Aus diesem Grund versuchen die Behörden, die Zugänge zu unliebsamen Websites zu sperren.

Teheran hat dafür angeblich mehrere Millionen Dollar in Filter investiert, die kritische Websites automatisch blockieren. Diese suchen nach Begriffen wie «regime change iran» oder «free thoughts on iran». Das System ist relativ effektiv. Doch es gibt im Internet genauso viele Mittel, um die Filter zu umgehen.

Zum einen versuchen die Blogger, ihren Herkunftsort zu verschleiern, um nicht in die Gefahr zu geraten, verhaftet zu werden. Zum anderen kann man im Iran auch gesperrte Blogs und Websites lesen, indem man über einen Proxy-Server im Ausland nutzt.

In den westlichen Staaten haben sich inzwischen viele Unterstützer gefunden, die den Bloggern helfen - etwa mit dem Bereitstellen von Proxy-Servern oder Software, die hilft, Filter zu umgehen. Auch die Reporter ohne Grenzen versuchen inzwischen, Unterstützung für Blogger in Ländern zu organisieren, in denen die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist.

«Wie lange noch?»

Die Blogger im Iran, in Tunesien, Ägypten oder China leben trotzdem gefährlich. Im Iran gibt es dabei noch nicht einmal ein Gesetz gegen die freie Meinungsäußerung - vorgeworfen wird den Dissidenten deshalb in der Regel der Verstoß gegen die «gesellschaftliche Moral».

Erst vor drei Tagen fragte ein iranische Blogger, der sich selbst «Persischer Dissident» nennt: «Wie lange kann das noch so weitergehen? Der Präsident und seine Minister sind Terroristen, Oppositionelle sitzen im Gefängnis, der politische Kampf hat offensichtlich begonnen.»

 
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