18.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Kofi Annan (l.), Ben Ali auf dem Informationsgipfel in Tunis
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Schweiz kritisierte auf dem Informationsgipfel in Tunis die dortige Regierung. Daraufhin störten mehrere Tunesier eine Pressekonferenz der Schweizer Delegation.
Die Kritik des Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid und des Schweizer Bundesrates Moritz Leuenberger an der Zensur in Tunesien haben während des Weltinformationsgipfels der Uno in Tunis erneut zu einem Zwischenfall geführt. Der Branchendienst «Heise» berichtet, mehrere tunesische Journalisten hätten die offizielle Schweizer Pressekonferenz gestört.
Sie beschuldigten Leuenberger und Schmid dem Bericht zufolge lautstark, sie würden moralische Lektionen erteilen. Stattdessen sollten sie besser bei sich zu Hause über den Missbrauch des Bankgeheimnisses nachdenken.
Leuenberger sagte dazu: «Ich bin auch nicht dafür, dass wir bei jedem Land aufstehen und sagen, was man verbessern könnte. Aber da geht es um fundamentale Sachen, um die Einhaltung der Menschenrechte.»
Andere Themen geraten in HintergrundSchmid hatte in der Eröffnungsrede auf dem UN-Gipfel den tunesischen Präsidenten Ben Ali zu mehr Meinungsfreiheit aufgefordert. «Schließlich hat dieser Gipfel diese Meinungsäußerung auch zum Gegenstand und es wäre ein Verrat an der Grundidee des Gipfels, wenn wir etwas ausblenden würden», sagte er.
Leuenberger sagte nach dem Zwischenfall, er bedauere, dass man nur noch über das Thema Menschenrechte rede und andere Themen dadurch in den Hintergrund gedrängt würden. «Wir sind auch nicht hierher gekommen, um nur über diese Probleme zu sprechen. Aber sagen muss man das schon.»
Auf dem UN-Informationsgipfel diskutieren mehr als 10.000 Teilnehmer über die Zukunft der Informationstechnologie. Bereits zu Beginn war es zu mehrerne Zwischenfällen mit der tunesischen Polizei gekommen. Einem Mitglied von «Reporter ohne Grenzen» wurde darüber hinaus die Einreise verweigert. (nz)