netzeitung.deKritik an Internet-Zensur in Tunesien

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Tunesisens Präsident Ben Ali (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Tunesisens Präsident Ben Ali
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wissenschaftler haben eine Studie über Internet-Zensur in Tunesien veröffentlicht. Für die Regierung in Tunis kommt die Veröffentlichung während des UN-Informationsgipfels zur Unzeit.

Wissenschaftler der Universitäten Toronto, Harvard und Cambridge haben während des UN-Informationsgipfels in Tunis eine Studie über die Internet-Zensur der dortigen Regierung veröffentlicht. Die so genannte «OpenNet Initiative» hat 2000 zufällig ausgewählte Seiten getestet. Etwa zehn Prozent davon werden innerhalb Tunesiens blockiert.

Derek Bambauer, Wissenschaftler an der Universität in Harvard und Mitautor der Studie, sagte, «Tunesiens Internet Filter ist sehr fokusiert, effektiv und irreführend».
Zensur während des UN-Gipfels
Selbst während des UN-Informationsgipfels wird das Internet zensiert. Nart Villeneuve, Chef des Technischen Forschungszentrums der Universität Toronto, sagte dem britischen Fernsehsender BBC, er sei darüber erstaunt gewesen. «Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Tunesier die Filter während des Gipfels aufheben.»

Die Autoren der OpenNet-Studie sowie mehrere Teilnehmer berichten jedoch, innerhalb der von der Uno kontrollierten Zone des Internet-Gipfels gebe es kaum Probleme mit gesperrten Internetseiten. Außerhalb werde das Netz aber weiter zensiert. Villeneuve sagte, nur 100 Meter weiter greife der Regierungsfilter bereits. «Gehen sie einfach durch diese Tür, dann haben sie ein zensiertes Netz.»

Zensiert werden neben Pornoseiten vor allem Seiten von Regierungsgegnern und Menschenrechtlern. Auch Seiten, die zeigen, wie man den Filter umgeht, werden zensiert.

Software aus den USA
Die tunesische Regierung hat nach Angaben der OpenNet-Initiative noch nicht einmal ein sonderlich ausgeklügeltes Zensur-System. Sie setzt ein Programm namens SmartFilter ein, dass von der amerikanischen Firma Secure Computing verkauft wird - ein Programm, das eigentlich für den Einsatz in Unternehmen gedacht ist.

Ruft ein tunesischer Internet-Nutzer eine zensierte Website auf, erscheint eine Meldung, dass die Seite nicht gefunden wurde. Da ist die Regierung in Saudi-Arabien - die ebenfalls mit SmartFilter arbeitet - noch ehrlicher zu ihren Bürgern. Dort erscheint eine Meldung «Forbidden Page» («verbotene Seite») auf dem Bildschirm.

Die tunesische Regierung will offiziell nicht über die Zensur des Internet reden. In seiner Eröffnungsrede auf dem UN-Gipfel sagte Tunesiens Präsident Ben Ali, sein Land habe große Fortschritte darin gemacht, seinen Bürgern einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. «Tunesien war schon immer ein Land des Dialoges, der Toleranz und Verständigung», sagte er. (nz)