netzeitung.deMenschenrechtler kritisieren Ort für Weltkongress

 Herausgeber: netzeitung.de

Am Mittwoch beginnt in Tunesien der Weltkongress. Menschenrechtler kritisieren, der Veranstaltungsort Tunis sei völlig falsch gewählt.

Auf dem Weltkongress diskutieren ab Mittwoch in Tunis alle UN-Nationen über die Kommunikationstechnologien der Zukunft. Vor allem das Internet und der Zugang der Entwicklungsländern zu Informationen und Technologien stehen im Mittelpunkt der Konferenz.

Reporter ohne Grenzen und Human Rights Watch kritisieren jedoch, der UN-Gipfel ermögliche dem tunesischen Regime, von der eigenen restriktiven Politik abzulenken. In Tunesien gebe es keine Meinungsfreiheit, viele Websites würden von der Regierung blockiert.

Julien Pain von der Internet-Abteilung bei Reporter ohne Grenzen sagte dem britischen Rundfunksender BBC, «dieser Gipfel ist eine Maskerade». Kritische Internet-Nutzer hätten in Tunesien keine Chance, ihre Meinung zu veröffentlichen. Es gebe mehrere Fälle, in denen Blogger im Gefängnis gelandet seien. «Einen Gipfel über das Internet in einem Land zu organisieren, dass so repressiv mit dem Medium umgeht, ist lächerlich.»

«Sie werfen dich ins Gefängnis»
Laut Reporter ohne Grenzen beschäftigt die tunesische Regierung Beamte, die gezielt nach kritischen Websites suchen. Pain sagte, «Wenn sie dein Blog finden, blockieren sie die Zugriffe auf deine Website. Wenn du die Behörden dann weiter kritisiert, werfen sie dich ins Gefängnis.»

Bei der Uno will man die Kritik jedoch nicht gelten lassen. Gipfel-Organisator Robert Shaw sagte, «den Gipfel in einer sich entwickelnden Gesellschaft zu veranstalten, ist sehr wichtig». Der afrikanische Kontinent habe extremen Aufholbedarf. «Nur drei Prozent aller Internet-Nutzer kommen aus Afrika», sagte er.

Elijah Zarwan von Human Rights Watch in Kairo kritisiert den Veranstaltungsort Tunis ebenfalls. Er zitierte einen Aktivisten aus Tunesien: «Wenn das Internet ein globales Dorf ist, dass ist Tunesien das Kellerverließ in diesem Dorf.» (nz)