Verdächtiger Sony-Copyschutz bald in Europa
10.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
«Wir möchten es den Konsumenten ermöglichen, private Kopien anzufertigen», rechtfertigte Europa-Chef Maarten Steinkamp den Einsatz solcher Systeme gegenüber der Deutschen Presseagentur. «Es versteht sich von selbst, dass wir dies auf eine sinnvolle Art und Weise bewerkstelligen müssen.»
Mit Techniken, die bisher nur aus dem Repertoire von Viren- und Spyware-Programmierern bekannt waren, versucht Sony BMG bereits in den USA seine Rechte zu schützen: Sobald eine Sony-CD im Rechner abgespielt wird, installiert sich heimlich Software. Diese scannt im Sekundentakt den Rechner, sendet IP-Adressen und CD-Daten an den Konzern, versteckt Systemdateien und soll laut «de.internet.com» sogar andere mp3-Dateien auf dem Rechner mit Störsignalen versehen.
Auch beim Windows-Hersteller Microsoft an sich kein Feind des Themas Digitales Rechtemanagement - ist man nicht amüsiert und offenbar auch nicht gewillt, solch gravierende Eingriffe in das Betriebssystem einfach so zuzulassen: Man sei besorgt und prüfe weitere Schritte, heißt es aus der Firmenzentrale. Die Sicherheit der Nutzerdaten habe «oberste Priorität».
Sony BMG zieht sich in dieser Angelegenheit auf dem Standpunkt zurück, die User hätten die Lizenzbestimmungen akzeptiert. Sony-Mann Steinkamp fügt hinzu: «Es ist klar, dass wir in Europa nur Technologien einsetzen, die für den Käufer sicher und fehlerfrei sind.»
Konterkariert wird das allerdings von einem Statement des Welt-Chefs der Digital Division des Konzerns, Thomas Hesse, gegenüber dem amerikanischen Public Radio: «Die meisten Leute, denke ich, wissen noch nicht einmal, was ein Rootkit ist», so Hesse. «Warum also sollte sie das interessieren?» (nz)

