10.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Protest gegen die Unruhen in Frankreich.
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die französische Justiz geht davon aus, dass die Unruhen teilweise über Weblogs organisiert wurden. Nun wurden drei von ihnen gesperrt - doch das ist kaum mehr als ein hilfloser Versuch.
Der Pariser Generalstaatsanwalt Yves Bot hat die Sperrung dreier Weblogs verfügt, weil Internet-Nutzer darin französische Jugendliche zu Straftaten aufgefordert haben sollen. Die drei jugendlichen Blogger wurden am gestrigen Mittwoch kurzzeitig festgenommen.
Der Jüngste von ihnen, ein 14-Jähriger aus Aix-en-Provence, soll in einem Eintrag seines Weblogs kurz zuvor dazu aufgerufen haben, Polizeistationen anzugreifen. Nach französischem Recht drohen für solche Gewaltaufrufe bis zu sieben Jahre Haft.
Organisiert per SMS und BlogDie französische Polizei geht nach Informationen der «New York Times» davon aus, dass die Ausschreitungen teilweise über die Blogs, aber auch per SMS organisiert wurden. Teilweise sollen die Aufrufe auch in den Kommentaren zu den Blog-Einträgen versteckt gewesen sein. Dort standen Sätze wie, «geht zur nächsten Polizeistation und brennt sie einfach nieder».
Im Blog «bouna93.skyblog.com» wurden deshalb vom Blog-Anbieter Skyblog alle Kommentare auf Drängen der Polizei entfernt. Das Blog «aulnay-sous-bois.skyblog.com» wurde vollständig aus dem Netz genommen.
Bouna93 entschuldigt sich in seinem Blog bei seinen Lesern, dass die Kommentare entfernt wurden. Sie seien auf einmal verschwunden gewesen, schreibt er. Wie das passiert sei, sei ihm völlig unklar.
«Gewisse Organisiertheit»Der französische Generalstaatsanwalt Bot glaubt, die Unruhen seien von Drogendealern und Brandstiftern organisiert worden. Man habe «eine gewisse Organisiertheit der Unruhen» beobachtet.
Doch die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Die Polizei geht davon aus, dass sich die verdächtigen Blogger gegenseitig nicht kennen. Dass sie ihre Blogs bei Skyblog betreiben, liegt daran, dass der Anbieter unter französischen Jugendlichen sehr populär ist. Auf deren Servern werden etwa drei Millionen Blogs betrieben, jeden Tag kommen 20.000 neue dazu.
Ein Sprecher des Unternehmens sagte, man werde alle Blogs aus dem Netz nehmen, die weiterhin zu Gewalt aufrufen. Seinen Namen wollte er öffentlich nicht nennen. «Sie können sich vorstellen was in den Vororten passiert, wenn jemand rausfindet, dass wir sein Blog gelöscht haben - da kann man schnell eine Kugel in den Kopf bekommen.»