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Microsoft-Gründer Gates wird nervös

09. Nov 2005 11:14
Chancen verpasst: Microsoft-Mastermind Bill Gates.
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Ein interner Brandbrief von Bill Gates an Führungskräfte von Microsoft ist öffentlich geworden. Es geht um verpasste Chancen, verschlafene Trends und hungrige Herausforderer.

Bei Microsoft macht man sich offenbar große Sorgen um seine dominierende Stellung innerhalb des Computer-Universums. Diverse US-Medien zitieren aus einem internen Memo, mit dem Bill Gates offenbar seine Führungskräfte wachrütteln möchte – eine Aufzählung aufstrebender Mitbewerber, technischer Herausforderungen und verschlafener Entwicklungen.

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«Die kommende Anwendungswelle wird für sehr viel Unruhe sorgen», schreibt Gates. «Wir haben Wettbewerber, die diese Chancen ergreifen und uns herausfordern werden.» Im Auge hat man dabei Unternehmen wie Google, Skype, Adobe oder auch Apple, denen es jeweils gelungen ist, sich in bestimmten Bereichen des Marktes große Stücke aus dem Kuchen zu schneiden und Microsoft auch technologisch zu überholen.

Die Vorarbeit für den Brandbrief hatte Microsofts Technik-Chef Ray Ozzie kurz zuvor mit einem eigenen Memo geleistet. Darin kritisiert auch er vehement, dass sich das Unternehmen von anderen habe überholen lassen. Google etwa: «Wir wussten, dass Suche wichtig werden würde, aber dadurch, dass Google sich darauf konzentriert hat, haben sie eine unglaublich starke Position erreicht.»

Google und der Hype

Ozzie sieht den Mitbewerber denn auch als einen der Hauptkonkurrenten von Microsoft: «Google ist natürlich der am besten erkennbare, obwohl es durch das Hype-Level um sie schwer zu prognostizieren ist, welche ihrer Myriarden Initiativen nur Zugaben sind, mit denen sie ihr Werbe-Geschäft aufwerten wollen und welche zu einer ernsthaften Herausforderung für unsere Angebote heranwachsen werden.»

Erst durch das Beispiel von Google hatte Microsoft erkannt, welche Profite sich durch internet-basierte Werbeformen erzielen lassen. Vor einigen Tagen wurde daher Windows Live präsentiert, eine individuell konfigurierbare Startseite, die viele schon existierende Angebote des Microsoft Network einbindet. Dazu kommen mit Office Live Services, die sich vor allem an kleine Unternehmen richten. Allerdings wird gerade im Bereich Suche schmerzhaft deutlich, dass der Vorsprung von Google immens ist.

Apple als Vorbild

Weitere Beispiele, die Ozzie nennt, sind Adobes pdf-Format, das sich als Standard etablieren konnte, obwohl Microsoft eine marktbeherrschende Stellung im Bereich Textverarbeitung aufweise, oder auch Apple, die mit Produkten wie iTunes und dem iPod vorgemacht haben, wie man Hardware, Software und Web-Services zu einem umfassenden Bündel verschnüren kann. Auch bei Technologien wie dem Web-Eingabeformat Ajax habe man geschlafen.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzungen erscheinen auch Microsofts jüngste Vorstellungen web-basierter Anwendungen in einem neuen Licht. Offenbar spürt man bei dem Konzern großen Druck und hatte es entsprechend eilig, eigene Angebote zu präsentieren, um nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Zum Abschluss des Memos wird Gates dann regelrecht pathetisch und bemüht sich um einen visionären Blick in die Zukunft: «Die Gelegenheit für uns zu führen, ist klar erkennbar. Mehr als jedes andere Unternehmen haben wir die Vision, Fähigkeiten, Erfahrung und Willen, um Erfahrungen und Lösungen für den ganzen Bereich des digitalen Arbeits- und Lebensstils zu liefern und so Anwender, Entwickler und Unternehmen in allen Märkten zu erreichen.» (nz)

 
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