netzeitung.deDie Internet-Revolution made by Microsoft

 Herausgeber: netzeitung.de

Microsoft hat seine neue Online-Strategie vorgestellt. Im Zentrum: das Portal «live.com». Es enthält allerdings noch wenig Revolutionäres - und eine seltsame Online-Suche.

Microsoft hat die Katze aus dem Sack gelassen: «www.live.com» und «Office Live» sollen die Pfeiler der neuen Internet-Strategie des Konzerns werden. Wie das Unternehmen jetzt bekannt gab, sollen unter «www.live.com» unter anderem ein Online-Mail-Service, diverse Suchfunktionen, eine Weblog-Funktion sowie ein Instant Messenger erreichbar sein. Finanziert werden soll der Service durch Werbung sowie durch Abo-Gebühren.

Hinter Office Live verbergen sich die von Insidern schon erwarteten web-basierten Anwendungen des Windows-Office-Pakets nebst einigen zusätzlichen Features: «Office Live Basic» ist kostenlos und umfasst 30 Megabyte Speicher für eine eigene Internet-Seite, dazu fünf Mailadressen.

«Office Live Essential» mit 500 Megabyte und 50 Adressen wird für einen noch nicht genannten monatlichen Betrag genutzt werden können – dazu richtet sich «Office Live Collaboration» an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern und soll Features für die vernetzte Arbeit sowie den Kontakt mit Auftraggebern und Kunden in den Vordergrund rücken. Allerdings: Erst im Frühjahr 2006 soll das Online-Office-Paket online gehen, im Beta-Test und zunächst auch nur in den USA.

Nicht auf Firefox abgestimmt
Internet-Platzhirsche wie Google und Yahoo attackieren Microsoft zunehmend auch auf deren eigenem Terrain – und Experten gehen davon aus, dass die Netz-Offensive des Konzerns auch dazu dient, hier ein Gegengewicht zu schaffen. «Das Live-Zeitalter hat gerade erst begonnen», zitieren die Agenturen Microsofts Mastermind Bill Gates. «Das ist ein neuer Weg, sich mit Software zu beschäftigen, ein besserer Weg, der viele neue Möglichkeiten eröffnet.»

Allerdings ist die Gegenwart nicht ganz so strahlend wie die Vision: Microsofts Portal «www.live.com», das als Beta-Test-Version bereits online steht, bietet zurzeit auf den ersten Blick nämlich wenig Aufregendes: einige Nachrichtenticker, Mail- und Personalisierungsfunktionen, das Wetter und die MSN-Suche, die sich auch auf Newsfeeds anwenden lässt.

«Nazi» geht, «pervers» dafür nicht
Aber nur dann, wenn man mit Microsofts Internet Explorer surft: Mit Mozillas Browser Firefox zum Beispiel lässt sich ein Teil der Services erst gar nicht nutzen – ein Ausbau werde folgen, heißt es dazu auf «www.live.com».

Einigermaßen interessant sind auch die Ergebnisse der integrierten Suche und vor allem die offensichtlich eingebaute Böse-Wörter-Liste: Nach Begriffen wie «pervers» lässt sich dadurch erst gar nicht suchen – die Anfrage wird vom MSN-Filter blockiert. Dafür leitet das Suchwort «Nazi» auf viele Anti-Nazi-Seiten, aber auch ziemlich zügig auf eine Präsenz mit NS-Briefmarken und etwas später auch auf den Online-Shop der rechten Kleidungsmarke «Thor Steinar».

Immerhin: Die probehalber eingegebene Suchphrase «Bill Gates ist doof» wird nicht zensiert. Sie liefert sieben Ergebnisse – von denen der Großteil rein gar nichts mit dem Suchbegriff zu tun hat. (nz)