netzeitung.deSchwieriger Start für Wiki des Handelsblatts

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Das Handelsblatt hat als erstes deutsches Medium ein eigenes Wiki gestartet. Bislang fehlt allerdings die aktive Wiki-Gemeinschaft.

Von Peter Schink

Das Handelsblatt zieht eine positive Zwischenbilanz nach dem Start seines «Wirtschaftswiki». Bei dem Wiki zu Wirtschaftsthemen hätten sich bislang 141 Nutzer angemeldet, sagte Daniel Schnettler von der Handelsblatt-Onlineredaktion der Netzeitung. Innerhalb von sieben Tagen hätten diese bereits mehr als 300 Änderungen eingetragen, tausende Websites würden das Wiki inzwischen verlinken.

Das besondere an dem Wiki: Es ist das erste, das von einer deutschen Zeitung für die öffentliche Nutzung konzipiert wurde. Nicht als Konkurrenz zu Wikipedia, sondern als «Ergänzung zu den Inhalten auf Handelsblatt.com» verstehe man das Projekt, sagte der Leiter der Online-Redaktion, Julius Endert, beim Start.
Noch keine aktive Wiki-Gemeinde
Doch eine aktive Wiki-Gemeinde fehlt dem Handelsblatt noch. So wurden zum Start zwar viele Änderungen eingefügt, in den vergangenen vier Tagen wurde aber nur noch ein neuer Wiki-Artikel eingestellt, vier Nutzer brachten etwa 20 Änderungen an.

Schnettler geht trotzdem davon aus, dass das Wirtschaftswiki langfristig erfolgreich sein wird. Schließlich mache das Handelsblatt keinerlei Werbung dafür. Außer der Ankündigung beim Start des Wikis habe sich das Projekt bislang nur per Mundpropaganda verbreitet. «Bislang ist das Projekt ein Selbstläufer», sagt Schnettler zuversichtlich.
Alleinstellungsmerkmal wichtig
Kurt Jansson, Vorsitzender der deutschen Wikimedia, findet das Handesblatt-Projekt grundsätzlich «begrüßenswert». Es gebe schon jetzt viele kleinere Wikis, die von kleinen Gruppen betrieben würden. Wichtig sei weniger eine große Anzahl an sporadisch Beteiligten sondern die dauerhaft aktiven Wiki-Nutzer.

Die kleinen Wikis, so Jansson, definierten sich oftmals durch eine Abgrenzung von anderen. «Wenn das Wiki etwas bietet, was andere nicht haben, dann kann es durchaus erfolgreich sein.»

Das könnte auch auf das Wirtschaftswiki des Handelsblattes zutreffen. Derzeit allerdings werden dort viele Begriffe erklärt, die man auch ausführlicher in der deutschsprachigen Wikipedia nachlesen kann – etwa «EBITDA», «Grundkapital» oder «SWOT».

Anmeldung umstritten
Ein weiteres Problem: Um im Wiki des Handelsblatts etwas ändern zu können, müssen sich Internet-Nutzer dort zunächst anmelden. Erst dann ist es möglich – im Gegensatz zur Wikipedia – neue Artikel einzustellen oder Beiträge zu bearbeiten.

Auch das könnte sich für den Aufbau einer aktiven Wiki-Gemeinde als hinderlich erweisen. Jansson jedenfall sieht die Anmeldepflicht skeptisch: «Wir haben bei Wikipedia die Erfahrungen gemacht, dass auch Änderungen von anonymen Nutzern oft hilfreich sind.»

Seit dem Start am 30. September verzeichnete das Wirtschaftswiki laut Schnettler schon mehr als 100.000 Seitenaufrufe. «Die Internet-Gemeinde hat das Projekt zum Start sehr positiv aufgenommen», sagt er. Er sei optimistisch, dass das Projekt ein Erfolg werde.