Open Content macht Google Konkurrenz
04.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin bezeichneten das Buch-Digitalisierungsprojekt ihres Unternehmens vor knapp einem Jahr als die Erfüllung eines Traumes. Seitdem hat Google tausende Werke gescannt, zugleich aber Kritik von Autoren auf sich gezogen, die eine Verletzung ihrer Urheberrechte fürchten.
So will die Open Content Alliance (OCA) zum einen hauptsächlich Bücher scannen, die gemeinfrei sind, deren Urheberrechtsschutz also bereits ausgelaufen ist. Da das in den meisten Ländern erst siebzig Jahre nach dem Tod des Autors der Fall ist, werden im OCA-Archiv vor allem Klassikertexte zu finden sein.
Im Gegensatz zu Googles Projekt müssen alle Beteiligten, die Inhalte zur Verfügung stellen, versichern, dass sie von den Rechteinhabern die Erlaubnis dazu haben. Darüber hinaus können die Rechteinhaber der Nutzung einzelner Werke zustimmen und zudem festlegen, ob also zum Beispiel Texte nur gelesen oder auch ausgedruckt werden dürfen.
Dieses so genannte «Opt In»-Verfahren ist der entgegen gesetzte Weg, den Google geht. Dort können Autoren lediglich in einem «Opt Out»-Verfahren die Nutzung ihrer bereits eingescannten Werke untersagen.
Ob dieses Ausstiegsangebot rechtmäßig ist, oder ob Google nicht vielmehr nur solche Bücher einscannen darf, deren Rechteinhaber die Erlaubnis dazu geben, ist umstritten. Drei Schriftsteller und der US-Schriftstellerverband The Authors Guild haben Ende September gegen Google geklagt.
Der zweite wichtige Unterschied zwischen den beiden Projekten liegt darin, dass im OCA-Archiv nicht nur Bücher, sondern verschiedene Formen digitalisierter Inhalte gespeichert werden. Worum es sich dabei genau handeln könnte, macht ein Blick auf die beteiligten Organisationen deutlich. Mitglieder der OCA sind neben Yahoo und dem Internet Archive das European Archive, die National Archives aus Großbritannien, der Verlag O'Reilly Media, die Prelinger Archives, die University of California und die University of Toronto. Vor allem das Internet Archive, die Prelinger Archives und die National Archives haben einen großen Bestand an digitalisierten Filmen, die in das OCA-Archiv aufgenommen werden sollen.
In einem Gastbeitrag im Yahoo-Suchblog beschreibt Brewster Kahle, Gründer und Chef des Internet Archive, wie das OCA-Projekt organisiert sein soll. Yahoo werde die Kosten dafür übernehmen, dass in einem ersten Schritt bedeutende Werke der amerikanischen Literatur aus der Bibliothek der University of California eingescannt werden. Diese Bücher werden im Internet Archive gespeichert und können dort abgerufen werden. Adobe und Hewlett-Packard, ebenfalls Mitglieder der OCA, werden die notwendige Technik zur Verfügung stellen. Das erste digitale Material soll Ende des Jahres abrufbar sein. «Die Zusammenarbeit mit Yahoo ist großartig, weil sie verstehen, worum es geht, und weil sie die Möglichkeiten haben, das auch umzusetzen,» schreibt Kahle.
Was die Urheberrechte der Inhalte angeht, schreibt Kahle, gehe es in erster Linie darum, weiter verwendbare Daten in hoher Qualität abrufbar zu machen. Wenn Werke noch dem Urheberrecht unterliegen, habe man gute Erfahrungen mit Inhalten gemacht, die unter Creative Commons, einer Lizenz für offene Inhalte, lizenziert sind.
«Das ist die Art von Zusammenarbeit, auf die wir lange Zeit gewartet haben,» sagte Daniel Greenstein, Bibliothekar der California Digital Library an der University of California, gegenüber der «New York Times». «Büchereien digitalisieren ihre Bestände und machen sie zugänglich, aber keine Bibliothek hat alles. Jetzt können wir sagen: ‚Wir haben eine bestimmte Ausgabe von Mark Twain, aber sie ist nicht so gut wie die in einer anderen Bibliothek’, also fügen wir die einfach unserer Sammlung hinzu.»
