netzeitung.deDatei-Tauschbörse eDonkey gibt auf

 Herausgeber: netzeitung.de

Nach einem Grundsatz-Urteil in den USA geraten viele Datei-Tauschbörsen in Bedrängnis. Die Größte unter ihnen gibt nun auf.

Die Entwickler der Datei-Tauschbörse eDonkey wollen die Software nicht mehr weiter entwickeln. Der Chef der Betreiberfirma MetaMachine, Sam Yagan, sagte vor dem Justizausschuss des US-Parlaments, «ich werfe das Handtuch».

«Ich bin kein Anarchist», so Yagan bei einer Anhörung. MetaMachine hatte Anfang des Monats von der Musikindustrie eine Unterlassungserklärung erhalten. Darin fordert der US-Musikverband Recording Industry Association of America (RIAA), die Firma solle umgehend unterbinden, dass urheberrechtlich geschützte Musik über seine Software getauscht werde.

Kurz zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in den USA entschieden, dass Tauschbörsenbetreiber für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer belangt werden können. Der Betreiber Grokster wurde dazu verurteilt, einen Filter einzubauen, um das illegale Tauschen von geschützter Musik zu verhindern.

Yagan kritisiert Urteil
Laut aktuellen Analysen ist eDonkey in Europa die beliebteste Tauschbörsen-Software, Nutzer in den USA und Großbritannien bevorzugen das BitTorrent-Netzwerk.

Yagan sagt nun, sobald seine Firma eine Einigung mit der RIAA erzielt habe, werde die Tauschbörse in ein geschlossenes System umgewandelt werden. Zu Details äußerte er sich nicht. In den vergangenen Tagen hatte es aber mehrfach Gerüchte gegeben, eDonkey solle zu einem System umgebaut werden, bei dem man Musik kaufen kann.

Yagan sagte vor dem Ausschuss, MetaMachine fürchte die Kosten einer möglichen gerichtlichen Auseinandersetzung. Zugleich sagte er, er halte das Grokster-Urteil für fehlgeleitet. Davon würden nur die P2P-Börsen, die im Untergrund und außerhalb der USA operieren, profitieren. (nz)