Technologieverbände üben scharfe Kritik an der Art und Weise, in der die EU-Kommission ihre Fernsehrichtlinie modernisieren will. Im Zuge von Digitalisierung von Fernsehangeboten und der Vermehrung von Berührungspunkten zwischen Fernsehen und Internet möchte die Kommission ihre Fernsehstatuten auch auf Services wie Video-on-Demand, Podcasting oder die Verbreitung von Angeboten via Breitband-Internet ausdehnen.
Das betrifft unter anderem die Regulierung von Werbung, aber auch inhaltliche Vorgaben und damit möchten sich unter anderem die britischen Verbände Broadband Stakeholder Group und Trade Body Intellect nach einem Bericht der BBC nicht abfinden. Sie sehen in der Absicht der Kommission den Versuch, durch die Hintertür auch das Internet ihren Regulierungen zu unterwerfen, da von den neuen Regeln alle Arten der Verbreitung audio-visueller Inhalte via Internet erfasst werden sollen.
«Unsere Mitglieder befürchten, dass die Vorschläge der EU-Kommission das Wachstum des Marktes für Inhalte und Neue Medien in Europa behindern werden», sagte Antony Walker der BBC, seines Zeichens Direktor der Abteilung Inhalte bei Intellect. «Neuen audio-visuellen Services, die erst durch Fortschritte in der Digitaltechnik und dem Internet möglich wurden, sollte Zeit gegeben werden, sich zu entwickeln, anstatt ihnen durch unausgegorene und unnötige Regulierungen Fesseln anzulegen.»
Telekom-, Verlags- und New-Media-Industrie stehen dabei auf der Seite der beiden Verbände. In einer Umfrage, die von den Institutionen organisiert wurde, waren zwar 80 Prozent der Firmenvertreter der Ansicht, eine Neuregelung sei nötig, 77 Prozent halten die vorgeschlagenen Maßnahmen jedoch für ungeeignet, 82 Prozent finden, dass die geplante Richtlinie dem Tempo nicht Rechnung trägt, mit dem sich Technik, Inhalte und Märkte entwickeln.
Experten gehen davon aus, dass Fernsehen via Breitband innerhalb der nächsten zehn Jahre Realität sein wird. Das Fernsehen selbst könnte sich in Richtung Internet bewegen, mit unzähligen Sendungen, die sich einfach herunterladen lassen. Die Archive der Sender würden solchen Angeboten reichlich Futter bieten. (nz)