20.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Mindestens fünf Datei-Tauschbörsen versuchen, eine Einigung mit der Musikindustrie zu erreichen. Die hatte vergangene Woche ultimativ dazu aufgefordert, das Urheberrecht besser zu schützen.
Nach dem Grundsatz-Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA geben offenbar mehrere Datei-Tauschbörsen auf. Mindestens fünf Unternehmen verhandelten derzeit mit der Musikindustrie, um ihr Angebot in einen Bezahlservice umzuwandeln, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf Firmenkreise.
Bereits vergangene Woche hatte das «Wall Street Journal» berichtet, der vom Gericht verurteilte Anbieter der Software Grokster verhandele mit dem Bezahlservice «Mashboxx» über eine Übernahme. Mashboxx will «legales Filesharing» betreiben und hat sich im Juni mit Sony BMG über die Lizenzierung von Musikstücken geeinigt.
Briefe vom US-Musikverband Grokster war verurteilt worden, einen Filter in seine Software einzubauen, die den Tausch von geschützter Musik, Videos und Software verhindert. Der US-Musikverband hatte anschließend andere Tauschbörsen-Betreiber dazu aufgefordert, ebenfalls solche Filter in ihre Software einzubauen.
Ähnlich wie «Mashboxx» will auch der Bezahldienst «iMesh» Tauschbörsen wie «eDonkey» oder «LimeWire» übernehmen. «iMesh»-Chef Robert Summer sagte der Zeitung, «wir haben Verhandlungen mit einigen durchaus bekannten Größen aufgenommen».
Gespräche über AbfindungenDer Chef von «LimeWire», Mark Gorton, sagte, bislang habe man sich noch nicht entscheiden, wie man auf das Ultimatum der Musikindustrie reagiere. Auch Michael Weiss, Chef von «StreamCast», wollte über mögliche Gespräche mit «iMesh» oder «Mashboxx» keine Auskunft geben.
Sam Yagan, Chef der Softwarefirma MetaMachine, die «eDonkey» betreibt, bestätigte indirekt, dass man nach dem Urteil des Obersten US-Gerichtshofes kaum noch Handlungsspielraum sieht: «Seit der Grokster-Entscheidung haben wir darüber nachgedacht, wie wir weitermachen. Die Briefe der vergangenen Woche haben uns die Dringlichkeit einer Entscheidung vor Augen geführt.» Zugleich sagte er, man habe noch nicht entschieden, ob man «eDonkey» in einen Bezahlservice umwandeln wolle.
Die «New York Times» berichtet unter Berufung auf den US-Phonoverband, es gebe mit mehreren Tauschbörsen Gespräche über Abfindungen. Dies würde auch darauf hindeuten, dass diese erwägen, die juristische Auseinandersetzung aufzugeben. (nz)