17.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Musikbranche hofft auf Handy-Downloads
Der Erfolg des Internet-Musikhandels und die UMTS-Handys lassen die Musikbranche hoffen. Man denkt über neue Bezahlmodelle nach - und entdeckt das Handy.
Vorsichtiger Optimismus ist zu spüren auf der Popkomm 2005. Der Erfolg des iPods und der Internet-Musikportale scheinen den Abwärtstrend in der Musikindustrie fürs Erste gestoppt zu haben. Vor kurzem stellten Apple und Motorola das erste iTunes-Handy vor. Auch Vodafone und O2 bieten bereits Musik-Downloads für Handys an. Im September gehen T-Mobile und Musicload mit der «Mobile Jukebox» an den Start.
Mit dem so genannten OMA2-Standard sollen die Formate verschiedener Anbieter für den Kunden nutzbar werden. Lieder können so auch getauscht werden – um sie abzuspielen, muss allerdings noch einmal bezahlt werden. Hat der Kunde einmal die Lizenz für einen Song erworben, kann er ihn sowohl auf den PC als auch auf das Handy laden. Der Preis für die Songs werde zwischen 1,29 und 1,99 Euro liegen und damit in etwa den Preisen des Internet-Angebots entsprechen, erklärte Susanne Peter, Marketing-Direktorin bei Musicload/T-Online auf der Popkomm.
In den USA setzt man im Internet bereits auf Abo-Modelle. Der Kunde bezahlt monatlich einen festen Betrag und kann eine unbegrenzte Anzahl an Titeln herunterladen. Die funktionieren allerdings nur so lange, wie der Kunde sein Abo bezahlt. Anbieter Napster, einstmals Mutter aller illegalen Tausch-Börsen, plant den Deutschlandstart für 2006.
Abos und ProvisionsmodelleDie Firma verwendet – wie Branchenführer Musicload - das Microsoft-Format WMA. «Wir würden unseren Kunden gern die Nutzung des iPods ermöglichen, dies wird aber von Apple konsequent verhindert», kritisiert Patrick Mushatsi-Kareba. Apple-Tochter iTunes setzt nämlich als einzige auf das so genannte AAC-Format. Titel von anderen Anbietern können nicht in die iTunes-Bibliothek kopiert werden.
Susanne Peter schließt eine «echte Flatrate» für Musicload in Deutschland noch aus. «Wir experimentieren zurzeit mit Subscription-Modellen für den Streaming-Bereich», erklärt die Geschäftsfrau. Zu deutsch: Der Kunde zahlt einen festen Preis im Monat und kann eine beliebige Zahl an Liedern direkt im Internet in voller Länge hören. Auf den PC laden kann er sie aber weiterhin nur, wenn er pro Titel oder Album zahlt. Durch das so genannte Digital Rights Management (DRM) sind dem Genuss zudem Grenzen gesetzt: Unbegrenztes Kopieren ist bei den Marktführern nicht möglich.
Wer Songs dagegen bei Potato Systems kauft, einem System, an dessen Entwicklung das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie beteiligt war, kann die Lieder ohne Beschränkung weitergeben - allerdings nicht kostenlos für den Empfänger. Verkauft der Nutzer einen Titel der Firma, erhält er dafür eine Provision. Die Auswahl bei dem Neuling ist allerdings noch gering: 3500 Songs stehen bei Potato Systems zur Auswahl.