CDU verschickte vier Millionen Wahl-Mails
16. Sep 2005 15:45
 |  Mail von "Play and Win" | Foto: nz |
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Die Union will zum Wahlkampf-Schluss möglichst viele Wähler per Mail erreichen. Die CDU hat in den vergangenen Tagen vier Millionen Mails verschickt – woher derart viele Adressen kommen, ist unklar.
Von Peter SchinkEtwa 300.000 bis 400.000 Deutsche bekommen in diesen Tagen eine E-Mail von dem Gewinnspiel-Anbieter «Play and Win». Dieser wirbt dafür, bei der Bundestagswahl am Sonntag CDU zu wählen. Doch das stimmt nicht ganz: Bei genauerem Lesen handelt es sich schlicht um Wahlwerbung der Union.
Die CDU versucht auf diese Weise möglichst viele Wähler per Mail zu erreichen. Dabei bedient sie sich eines Anbieters, der ungewöhnlich viele Mail-Adressen zur Verfügung stellt. Die AIDA Media Limited liefert der Union nach eigenen Angaben ein Adresskontingent von etwa vier Millionen Stück.
Zweimal Werbung von der CDU
Steffen Fiedler von der in Großbritannien registrierten Firma sagte der Netzeitung, man habe für die Union alle E-Mail-Adressen zwei Mal mit Werbung beliefert. Vor einer Woche und noch einmal in der Nacht zum Freitag.Dass unverlangt zugesandte Parteienwerbung im Wahlkampf unzulässig ist, sei ihm bekannt, sagte er. Deshalb verwende man nur Adressen von Wählern, die alle Interesse an Politik hätten und dem Empfangen von Mails in einem so genannten «Double Opt In»-Verfahren zugestimmt haben.
Wie es zu den Mails an die «Playa and Win»-Spieler kommt, konnte er jedoch nicht genau sagen. Das sei kompliziert zu erklären - «die genaue Methode der Marktforschung ist immerhin unser Wettbwerbsvorteil».
SPD machte Rückzieher
Auch die SPD wollte die Mailadressen schon haben, sagte Fiedler. Trotz mündlicher Vertragszusage habe die Partei aber kurz vor Vertragsunterzeichnung einen Rückzieher gemacht. Nach Informationen der Netzeitung hielten die Sozialdemokraten das Angebot nicht nur für zu teuer sondern auch für unseriös.Fiedler selbst bestätigte der Netzeitung auch die Zusammenarbeit mit «Play and Win». Man habe etwa 400 verschiedene Lieferanten von Mailadressen, sagte er.
Millionengewinne ohne AGB
Hinter «Play an Win», von der etwa zehn Prozent der Adressen kommen sollen, steht unter anderem die Seite «millionengewinn.net», auf der man mit einem Lottospiel «7 aus 49» angeblich täglich eine Million Euro und einen Mercedes SLK gewinnen kann. Dafür muss man dort lediglich seine E-Mail-Adresse und Namen angeben.Das Gewinnspiel wird veranstaltet von der «Reuter Adressmanagement GmbH», die wiederum die Mailadressen für den CDU-Newsletter bereitstellt. Auf der Seite «millionengewinn.net» wird jedoch an keiner Stelle darauf hingewiesen, dass Mail-Adressen weiterverkauft werden. Allgemeine Geschäftsbedingungen gibt es auf der Website nicht.
Zu «Play and Win» gehören auch noch andere Gewinnspielseiten wie «gewinnspielbutler.de», auf denen ebenfalls Millionengewinne versprochen werden – jedoch ist auch dort vom Weiterverkauf von Mail-Adressen keine Rede. Dafür wird damit geworben, dass das «Playandwin Netzwerk mit 1,2 Millionen Internetbesuchern pro Monat zu den größten deutschen Gewinnspielseiten» gehöre. 300.000 bis 400.000 davon haben offenbar Post von der CDU bekommen.