Blog-Revolte stimmt «Guardian» um
13.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Kaum war die britische Zeitung «The Guardian» am gestrigen Montag erstmals im kleinen Berliner Format erschienen, hagelte es Proteste. Redakteure und Designer wurden von einer Revolte im Internet getroffen Dutzende Leser protestierten gegen die Einstellung des Comics Doonesbury.
Der Umstellung auf das in Deutschland durch «Die Tageszeitung» und «Westdeutsche Zeitung» bekannte Format war der tägliche Comic-Strip zum Opfer gefallen - ohne vorherige Ankündigung. In Doonesbury karikiert der amerikanische Zeichner Garry Trudeau seit 1970 die Geschehnisse der Politik inzwischen in über 1400 Zeitungen.
Die Reaktion des Blattes verschlimmerte die Angelegenheit noch dadurch, dass sie als Begründung für die Einstellung lediglich Platzgründe vorschob. Fortan überhäuften zahlreiche Leser die Zeitung mit Vorschlägen, welche Teile der Zeitung eingestellt werden könnten, damit Doonesbury zurückkehren könne.
Am Montagabend kippte der zuständige Redakteur Ian Katz die Entscheidung. In einem langen Blog-Eintrag erklärte er seine Gründe: «Ich habe mich gefragt, wie viele Leute Doonesbury wirklich lesen. Die große Mehrheit der Leute sagte mir, dass sie es nicht tun», so Katz. Gleichzeitig nahm er die Entscheidung zurück und beugte sich so dem Votum der Leser, von denen manche mit Abwanderung gedroht hatten. Katz: «Ihr hattet Recht und ich Unrecht.» Ab dem nächsten Montag kehrt Doonesbury in den geschrumpften Guardian zurück.

